Die Niederlassung als Onkologe ist eines der wirtschaftlich attraktivsten, aber auch anspruchsvollsten Vorhaben in der ärztlichen Selbstständigkeit. Onkologische Praxen erfordern erhebliche Investitionen in Infusionsinfrastruktur und Spezialausstattung, bieten aber durch die Zytostatika-Vergütung und stabile Patientenstämme eine solide Einkommensbasis.

Das Wichtigste in Kürze

  • Die onkologische Niederlassung erfordert Investitionen von 300.000 bis 700.000 EUR für Infusionseinheit, Diagnostik und Umbau
  • Onkologische Praxen sind oft in überversorgten Bereichen nicht zulassungsbeschränkt, da der Spezialisierungsgrad die effektive Versorgungskapazität begrenzt
  • Eine Kooperation mit einem Tumorzentrum oder Krankenhaus ist für die onkologische Niederlassung wirtschaftlich und medizinisch sinnvoll

Niederlassung speziell für Onkologen

Onkologen, die sich niederlassen, wählen in den meisten Fällen die Einzelpraxis oder die Berufsausübungsgemeinschaft. Da onkologische Praxen für die meisten niedergelassenen Ärzte keine Konkurrenz darstellen, sind Kooperationen mit allgemeinmedizinischen und fachärztlichen Praxen in der Region einfacher herzustellen als in anderen Fachrichtungen. Überweisungsstruktur und Vernetzung mit dem stationären Sektor sind entscheidende Erfolgsfaktoren.

Die wirtschaftliche Attraktivität onkologischer Praxen beruht zu einem erheblichen Teil auf der Zytostatika-Vergütung, die neben der ärztlichen Leistung auch die Kosten der Medikamente abdeckt. Je nach Fallmix kann der Umsatz einer onkologischen Praxis deutlich über dem einer allgemeinmedizinischen Praxis liegen, bei gleichzeitig begrenzter Patientenzahl von 300 bis 600 aktiven Patienten. Die Vorlaufzeit bis zur vollen Auslastung beträgt in der Regel zwei bis drei Jahre.

Worauf Onkologen besonders achten sollten

Onkologen sollten bei der Niederlassungsplanung besonders auf die Kooperationsverträge mit Apotheken für die Zytostatika-Zubereitung achten. Eine funktionierende Lieferkette für Chemotherapeutika ist geschäftskritisch; Vertragsstörungen können den Praxisbetrieb gefährden. Ärzteversichert empfiehlt eine Betriebsunterbrechungsversicherung, die den Einnahmeausfall bei Lieferengpässen oder behördlichen Inspektionen abdeckt. Daneben ist eine Berufshaftpflicht mit erhöhter Deckungssumme von mindestens 5 Millionen EUR für onkologische Praxen Standard.

Typische Fehler bei Onkologen

Ein häufiger Fehler ist die Unterschätzung der Anlaufphase: Neue onkologische Praxen erhalten Zuweisungen erst, wenn die Vernetzung mit niedergelassenen Onkologen, Hausärzten und Tumorzentren aufgebaut ist. Das dauert ein bis zwei Jahre; entsprechende Liquiditätsreserven müssen eingeplant werden. Ein weiterer Fehler ist die fehlende Vertretungsregelung: Onkologische Praxen behandeln Patienten in laufenden Therapiezyklen, die bei Ausfall des Arztes kurzfristig versorgt werden müssen. Ein Vertretungsarzt-Netzwerk ist bereits bei Gründung einzurichten.

Fazit

Die Niederlassung als Onkologe ist ein wirtschaftlich tragfähiges Vorhaben mit erheblichem sozialmedizinischen Nutzen, das jedoch eine durchdachte Planung, ausreichende Finanzierung und ein belastbares Netzwerk erfordert. Weitere Artikel finden Sie in der Blog-Übersicht.

Quellen und weiterführende Informationen

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