Die Niederlassung als Kardiologe ist einer der anspruchsvollsten Schritte in der medizinischen Karriere. Kardiologische Praxen erfordern hohe Investitionen in Geräte, ein gutes Überweisernetzwerk und umfangreiche Genehmigungsverfahren für apparative Leistungen. Wer früh plant und systematisch vorgeht, reduziert die typischen Anlaufprobleme erheblich.
Das Wichtigste in Kürze
- Der Investitionsbedarf für eine kardiologisch vollausgestattete Praxis liegt zwischen 200.000 und 500.000 Euro (Echokardiografie, Belastungs-EKG, Langzeit-EKG/-RR, ggf. Herzkatheterlabor).
- Für die KV-Zulassung als Kardiologe ist ein Vertragsarztsitz (Bedarfsplan) erforderlich; in vielen Planungsbereichen ist Kardiologie überversorgt, was Neugründungen schwierig macht.
- Alle apparativen kardiologischen Leistungen (Echokardiografie, Duplexsonografie, Elektrophysiologie) erfordern Genehmigungen nach § 135 SGB V.
Niederlassungs-Vorbereitung speziell für Kardiologen
Kardiologen, die sich niederlassen möchten, stehen vor der zentralen Herausforderung der Bedarfsplanung: In den meisten städtischen Regionen ist Kardiologie mittlerweile überversorgt (Versorgungsgrad über 110 Prozent). Niederlassungen sind nur möglich, wenn ein freier Kassensitz vorhanden ist oder ein bestehender Kardiologesitze übernommen wird. Die Übernahme einer Praxis ist deshalb der häufigste Weg in die Selbstständigkeit. Alternativ bietet das MVZ (Medizinisches Versorgungszentrum) nach § 95 SGB V die Möglichkeit, außerhalb der Bedarfsplanung tätig zu werden.
Für die Genehmigungen nach § 135 SGB V müssen Kardiologen vor Betriebsbeginn folgende Qualifikationsnachweise bei der KV einreichen: Facharzt-Urkunde Innere Medizin mit Schwerpunkt Kardiologie, Befähigungsnachweis Echokardiografie (DEGUM II oder gleichwertig), Befähigungsnachweis kardiovaskulärer Ultraschall und ggf. Elektrophysiologie. Fehlende Nachweise verlängern das Zulassungsverfahren um mehrere Monate.
Worauf Kardiologen besonders achten sollten
Die Aufbauphase einer kardiologischen Praxis dauert aufgrund langer Wartelisten und hoher Patientennachfrage in den meisten Regionen nicht sehr lang; dennoch muss ein Liquiditätspuffer von 80.000 bis 130.000 Euro für die ersten 3 bis 6 Monate eingeplant werden. Ärzteversichert empfiehlt frisch niedergelassenen Kardiologen, bereits am ersten Tag eine Praxisausfallversicherung zu aktivieren und eine Berufsunfähigkeitsversicherung mit angemessener monatlicher Rente zu halten.
Der Aufbau eines Überweisernetzwerks mit Hausärzten, Allgemein- und Internistischen Praxen sowie stationären Abteilungen ist entscheidend für die Praxisauslastung. Persönliche Vorstellungsbesuche, Fortbildungsveranstaltungen in der Praxis (z. B. EKG-Kurse für Hausärzte) und eine professionelle Praxis-Website sind effektive Instrumente.
Typische Fehler bei Kardiologen
Häufig wird die Genehmigungsphase unterschätzt: Ohne vollständige Unterlagen für alle apparativen Genehmigungen kann der erste Behandlungstag um 3 bis 6 Monate verzögert werden. Ein weiterer Fehler ist die Fehlplanung des Gerätelebenszyklus: Werden gebrauchte Echokardiografiegeräte gekauft, sind Reparaturkosten und baldiger Ersatz einzukalkulieren. Schließlich wird der administrative Aufwand einer kardiologischen Praxis unterschätzt; eine Praxismanagerin oder ein Praxismanager mit betriebswirtschaftlichem Hintergrund ist von Beginn an sinnvoll.
Fazit
Eine sorgfältige Niederlassungsvorbereitung ist die Grundlage für eine langfristig wirtschaftlich erfolgreiche kardiologische Praxis. Weitere Artikel finden Sie in der Blog-Übersicht.
Quellen und weiterführende Informationen
- KBV – Bedarfsplanung und Zulassung
- Bundesärztekammer – Niederlassungsberatung und Checklisten
- Gesetze im Internet – SGB V § 135 Qualitätssicherung
- Ärzteversichert – Versicherungsmakler für Mediziner
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