Die Vorbereitung auf die Niederlassung als Orthopäde erfordert erhebliche Planung, da orthopädische Praxen mit Röntgen, Sonografie, physikalischer Therapie und ambulanter Operationsmöglichkeit zu den investitionsintensivsten Arztpraxen gehören. Wer die Niederlassung ohne solide Vorplanung angeht, riskiert finanzielle Engpässe in der Aufbauphase.

Das Wichtigste in Kürze

  • Orthopädische Praxen erfordern Investitionen von 200.000 bis 500.000 EUR für Geräte, Umbau und erste Betriebskosten
  • Die Kassenarztzulassung in Orthopädie und Unfallchirurgie ist in Ballungsräumen durch Zulassungsbeschränkungen limitiert; eine Nachfolge oder Übernahme ist oft der schnellste Weg
  • Berufshaftpflicht, BU-Versicherung und Praxisfinanzierung müssen vor Aufnahme der Tätigkeit abgeschlossen sein

Niederlassungsvorbereitung speziell für Orthopäden

Orthopäden, die sich niederlassen möchten, stehen vor der Wahl zwischen Neugründung, Praxisübernahme und MVZ-Einstieg. In vielen KV-Bezirken sind Neuzulassungen für Orthopädie wegen Überversorgung eingeschränkt; Praxisübernahmen oder MVZ-Beteiligungen sind daher häufig die einzig realistische Option. Die Übernahme einer bestehenden orthopädischen Praxis kostet in der Regel 150.000 bis 400.000 EUR an Kaufpreis sowie weitere 50.000 bis 150.000 EUR für Geräteneuanschaffungen und Umbauten.

Für die Finanzierung der Niederlassung sind Bankkredite mit 10 bis 15 Jahren Laufzeit üblich. Viele Banken verlangen von Orthopäden eine Eigenkapitalquote von mindestens 20%; bei Gerätekosten von 300.000 EUR bedeutet das Eigenkapital von 60.000 EUR. Wer in der Assistenzarztzeit gezielt angespart hat, ist hier im Vorteil. Ein vollständiger Businessplan mit Ertragsvorschau und Liquiditätsplanung für die ersten drei Jahre ist für die Kreditbewilligung unerlässlich.

Worauf Orthopäden besonders achten sollten

Orthopäden sollten vor der Niederlassung die Versicherungsstruktur vollständig aufstellen. Ärzteversichert empfiehlt neben der Berufshaftpflichtversicherung eine Praxisausfallversicherung, die bei Geräteausfall oder Erkrankung die laufenden Fixkosten der Praxis abdeckt. Zudem sollte die BU-Versicherung an das neue Einkommensniveau angepasst werden: Ein Orthopäde mit einem Praxisüberschuss von 180.000 EUR jährlich und einem Praxiskredit von 300.000 EUR braucht eine BU-Rente von mindestens 8.000 bis 10.000 EUR monatlich.

Typische Fehler bei Orthopäden

Ein klassischer Fehler ist die Unterschätzung der Anlaufzeit: Orthopädische Praxen brauchen erfahrungsgemäß sechs bis zwölf Monate, bis der volle Patientenstamm aufgebaut und die Quartalsabrechnungen ausgeglichen sind. Wer nicht ausreichend Liquiditätsreserven hat, gerät in dieser Phase in Zahlungsschwierigkeiten. Ein weiterer Fehler ist die Geräteausstattung über den tatsächlichen Bedarf hinaus: Nicht jede orthopädische Praxis braucht sofort ein eigenes MRT; die Kooperation mit einer radiologischen Praxis kann wirtschaftlicher sein. Schließlich wird die Praxissoftware oft unterschätzt: Eine leistungsfähige orthopädische Praxisverwaltungssoftware ist ein wesentlicher Produktivitätsfaktor.

Fazit

Die Niederlassungsvorbereitung als Orthopäde erfordert eine Kombination aus sorgfältiger Finanzplanung, realistischer Standortwahl und vollständiger Versicherungsabsicherung, um die Investitionen zu schützen und einen guten Start zu ermöglichen. Weitere Artikel finden Sie in der Blog-Übersicht.

Quellen und weiterführende Informationen

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