Rechtsmediziner, die sich außerhalb des universitären oder staatlichen Rahmens niederlassen wollen, bewegen sich auf einem Nischenmarkt mit erheblichen spezifischen Anforderungen. Die Vorbereitung einer rechtsmedizinischen Niederlassung unterscheidet sich grundlegend von der Vorbereitung in kurativen Fachrichtungen, da es keinen Kassensitz gibt und der Aufbau einer Auftraggeberbasis viel Zeit benötigt.

Das Wichtigste in Kürze

  • Rechtsmedizinische Niederlassungen sind keine KV-gebundenen Praxen; der Aufbau einer Auftraggeberbasis bei Staatsanwaltschaften, Gerichten und Versicherungen ist die entscheidende Voraussetzung
  • Akkreditierungen und Zertifizierungen für spezifische forensische Untersuchungen dauern ein bis zwei Jahre und müssen frühzeitig beantragt werden
  • Die Gründungskosten für ein rechtsmedizinisches Institut liegen je nach Leistungsspektrum bei 100.000 bis 500.000 EUR

Niederlassungsvorbereitung speziell für Rechtsmediziner

Die Vorbereitung einer rechtsmedizinischen Niederlassung muss fünf bis sieben Jahre vor dem geplanten Start beginnen. Wer als privatwirtschaftlicher forensischer Gutachter tätig werden möchte, braucht zunächst die Weiterbildung in Rechtsmedizin gemäß der ärztlichen Weiterbildungsordnung sowie ausreichend forensische Erfahrung im institutionellen Rahmen. Ohne einen nachgewiesenen Erfahrungsschatz von mindestens fünf bis zehn Jahren in einem anerkannten Institut werden weder Staatsanwaltschaften noch Gerichte freiwillig Aufträge vergeben.

In der konkreten Vorbereitungsphase zwei bis drei Jahre vor Gründung sollten Rechtsmediziner Kontakt zu potenziellen Auftraggebern aufnehmen, die Laborakkreditierung beim DAkkS beantragen, Kooperationspartner für Spezialuntersuchungen gewinnen und geeignete Räumlichkeiten suchen. Parallel muss die Finanzierung gesichert werden: Banken verlangen für rechtsmedizinische Institutsgründungen in der Regel einen detaillierten Businessplan mit realistischen Umsatzerwartungen für die ersten drei Jahre.

Worauf Rechtsmediziner besonders achten sollten

Rechtsmediziner sollten sich frühzeitig über die erforderlichen Versicherungen informieren. Ärzteversichert empfiehlt neben der Berufshaftpflichtversicherung eine Vermögensschadenhaftpflicht mit hoher Deckungssumme sowie eine Betriebsunterbrechungsversicherung. Besonderes Augenmerk verdient die persönliche BU-Absicherung: Wer als freiberuflicher Rechtsmediziner tätig ist, verliert bei Berufsunfähigkeit nicht nur sein Einkommen, sondern gefährdet auch das gesamte Institut.

Typische Fehler bei Rechtsmedizinern

Ein häufiger Fehler ist die Unterschätzung der Anlaufzeit für den Aufbau von Auftraggeber-Beziehungen. Staatsanwaltschaften und Gerichte beauftragen neue Gutachter zunächst nur mit kleineren, unkritischen Fällen; das Vertrauen für komplexe Gutachten muss über Jahre aufgebaut werden. Ein weiterer Fehler ist die Unterschätzung der laufenden Kosten für Akkreditierungspflege, Ringversuche und Fortbildungen, die jährlich 15.000 bis 30.000 EUR kosten können. Schließlich vernachlässigen manche Gründer die steuerliche Planung für die Anlaufphase mit vorübergehenden Verlusten.

Fazit

Die Niederlassungsvorbereitung als Rechtsmediziner erfordert einen besonders langen Vorlauf, eine solide Finanzierung und ein klares Konzept für den Aufbau der Auftraggeberbasis. Weitere Artikel finden Sie in der Blog-Übersicht.

Quellen und weiterführende Informationen

Persönliche Beratung zu diesem Thema?

Kostenfreie Erstberatung anfragen →