Medizinische Fachangestellte (MFA) sind das Rückgrat einer jeden Hausarztpraxis. Für Allgemeinmediziner ist die Personalplanung besonders kritisch, weil die Breite des Leistungsspektrums (von der kleinen Wunde bis zur chronischen Krankheitsbegleitung) ein vielseitig ausgebildetes Team erfordert, das gleichzeitig die hohe Patientenfrequenz bewältigen kann.

Das Wichtigste in Kürze

  • Allgemeinarztpraxen mit 800 bis 1.200 Scheinen pro Quartal benötigen typischerweise 2,5 bis 4 Vollzeit-MFA-Stellen, um Empfang, Prävention, Wundversorgung und Dokumentation abzudecken.
  • Der MFA-Fachkräftemangel trifft Hausarztpraxen besonders; eine strukturierte Ausbildung eigener Auszubildender ist die nachhaltigste Personalstrategie.
  • Die Betriebliche Krankenversicherung (bKV) als Zusatzleistung ist für Allgemeinärzte ein effektives Bindungsinstrument für MFA, deren Grundgehälter nach Tarifvertrag (TV MFA) wenig Spielraum lassen.

Praxis-Personal speziell für Allgemeinmediziner

Der Tarifvertrag für medizinische Fachangestellte (TV MFA) legt die Mindestgehälter fest: Eine MFA im ersten Berufsjahr erhält nach TV MFA ab 2026 mindestens 2.100 EUR brutto monatlich; erfahrene MFA mit 10 Jahren Berufserfahrung kommen auf 2.600 bis 2.900 EUR. In Ballungsräumen liegen die tatsächlichen Gehälter oft 10 bis 20 Prozent über dem Tarif, um im Wettbewerb um gutes Personal bestehen zu können.

Die Delegation ärztlicher Leistungen an qualifizierte MFA ist in der Allgemeinmedizin besonders ausgeprägt: Blutentnahmen, EKG, Wundversorgung, Lungenfunktionstests und die Beratung chronisch kranker Patienten nach Delegationsmodell (z. B. Veronikaprogramm der DMP-Verträge) können an MFA mit entsprechender Zusatzausbildung übertragen werden. Diese Delegation spart Arztzeit und ermöglicht eine höhere Patientenfrequenz.

Worauf Allgemeinmediziner besonders achten sollten

Der Ausbildungsvertrag für MFA-Auszubildende muss den gesetzlichen Mindeststandards entsprechen; die Ausbildungsvergütung liegt nach Tarifempfehlung im ersten Lehrjahr bei 700 bis 800 EUR, im dritten Lehrjahr bei 900 EUR monatlich. Wer eigene Auszubildende ausbildet, baut mittel- bis langfristig ein loyales Team auf und reduziert die Abhängigkeit vom externen Fachkräftemarkt. Ärzteversichert empfiehlt, parallel zur Ausbildung eine Arbeitgeber-Rechtsschutzversicherung zu halten.

Die Urlaubsplanung in kleinen Praxen ist eine strukturelle Herausforderung: Wer mit nur zwei MFA arbeitet und beide gleichzeitig Urlaub nehmen, muss teure Zeitarbeits-MFA engagieren oder die Praxis für einige Tage schließen.

Typische Fehler bei Allgemeinmedizinern

Ein häufiger Fehler ist das Fehlen klarer Aufgabenbeschreibungen im Arbeitsvertrag: Wenn MFA nicht wissen, wer wofür zuständig ist, entsteht Reibung, Lücken in der Patientenversorgung und unnötige Überstunden. Ein zweiter Fehler betrifft die Nichtdurchführung der jährlichen Gefährdungsbeurteilung nach ArbSchG: Hausarztpraxen sind mit psychischer Belastung (schwierige Patientengespräche, hohe Arbeitsdichte) konfrontiert; ohne Gefährdungsbeurteilung riskiert der Praxisinhaber Bußgelder.

Fazit

Personalmanagement in der Allgemeinmedizin erfordert klare Strukturen, Investitionen in Ausbildung und marktgerechte Zusatzleistungen. Wer diese Grundlagen legt, hat weniger Personalfluktuation und eine stabilere Praxis. Weitere Artikel finden Sie in der Blog-Übersicht.

Quellen und weiterführende Informationen

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