Notfallmediziner, die sich in einer Notfallpraxis der KV oder einer Portalpraxis an einem Krankenhaus niederlassen, stehen vor einem besonderen Personalmanagement-Problem: Der Betrieb rund um die Uhr erfordert Schichtbesetzung, und die hohe Arbeitsdichte verlangt qualifiziertes und belastbares Personal.

Das Wichtigste in Kürze

  • Notfallpraxen und Bereitschaftsdienstzentralen der KV betreiben in der Regel einen 24/7-Schichtbetrieb; die Personalplanung muss Nacht-, Wochenend- und Feiertagszuschläge nach Tarifrecht einkalkulieren.
  • Medizinische Fachangestellte in Notfallpraxen benötigen spezifische Kenntnisse in der Ersteinschätzung (z. B. Manchester Triage System); Schulungskosten von 300 bis 800 Euro pro Mitarbeiter sind einzuplanen.
  • Der ärztliche Leitungsauftrag für eine KV-Notfallpraxis erfordert den Nachweis der Zusatzbezeichnung Notfallmedizin; ohne diese Qualifikation ist die Zulassung zur Leitung einer solchen Einrichtung nicht möglich.

Praxis-Personal speziell für Notfallmediziner

Die Personalstruktur einer Notfallpraxis unterscheidet sich grundlegend von der einer regulären Facharztpraxis. Wechselnde Schichten, hohe Patientendurchsatz und die Notwendigkeit zur schnellen Ersteinschätzung erfordern Personal mit besonderen Kompetenzen und einer hohen Stresstoleranz. Typischerweise arbeiten in einer mittleren KV-Notfallpraxis drei bis sechs MFA in wechselnden Schichten; hinzu kommen ärztliche Vertreter und eventuell Rettungsassistenten oder Notfallsanitäter für den Fahrdienst.

Die Vergütung richtet sich nach dem MFA-Tarifvertrag, wobei Nacht- und Wochenendarbeit zu Zuschlägen von 25 bis 100 Prozent auf den Grundlohn führen. Bei einem Grundgehalt von 2.800 Euro brutto für eine Vollzeitkraft ergibt sich inklusive Zuschlägen und Arbeitgeberanteilen zur Sozialversicherung ein Gesamtarbeitgeberaufwand von 4.500 bis 5.500 Euro monatlich pro Vollzeitstelle. Diese Kosten müssen bei der Kalkulation der Praxisfinanzierung realistisch berücksichtigt werden.

Worauf Notfallmediziner besonders achten sollten

Die Fluktuation in Notfallpraxen ist höher als in regulären Arztpraxen, weil die Belastung durch Nacht- und Wochenenddienste langfristig zu Erschöpfung führt. Notfallmediziner sollten in ihre Personalplanung deshalb eine jährliche Fluktuationsrate von 15 bis 25 Prozent einkalkulieren und eine konsequente Einarbeitungsdokumentation führen. Ärzteversichert empfiehlt, alle Mitarbeiter einer Notfallpraxis in die Betriebshaftpflichtversicherung einzuschließen und regelmäßig zu prüfen, ob die Deckungssumme dem tatsächlichen Haftungsrisiko entspricht.

Typische Fehler bei Notfallmedizinern

Ein häufiger Fehler ist die Unterschätzung des administrativen Aufwands durch das Schichtmanagement. Dienstpläne für eine 24/7-Notfallpraxis erstellen und pflegen kostet erhebliche Managementzeit; viele Notfallmediziner investieren anfangs nicht in eine professionelle Dienstplansoftware und verlieren Stunden pro Woche in manueller Planung. Ein weiterer Fehler ist das Fehlen einer Vertretungsregelung für die ärztliche Leitung: Wenn der leitende Arzt erkrankt, muss ein qualifizierter Vertreter mit entsprechender Zulassung benannt sein, sonst droht die Schließung der Notfallpraxis.

Fazit

Das Personalmanagement einer Notfallpraxis erfordert Schichtmanagement-Kompetenz, realistische Kostenplanung und eine durchdachte Vertretungsregelung für alle Schlüsselpositionen. Weitere Artikel finden Sie in der Blog-Übersicht.

Quellen und weiterführende Informationen

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