Onkologische Praxen haben einen der höchsten Personalbedarfe in der ambulanten Medizin: Chemotherapie-Zubereitungen, Infusionsmanagement, psychoonkologische Begleitung und umfangreiche Dokumentation für Studienteilnahmen erfordern spezialisiertes Personal mit besonderen Qualifikationen.
Das Wichtigste in Kürze
- Onkologisch geschulte MFA als Kernressource: MFA mit Zusatzqualifikation Onkologie (z. B. DGHO-Kurs) sind unverzichtbar und schwer zu ersetzen; Bindung durch faire Vergütung und Weiterbildung ist strategisch wichtig.
- Personalkosten bis zu 50 Prozent des Umsatzes: Der Personalaufwand in onkologischen Praxen ist überdurchschnittlich hoch durch Infusionszeiten und intensive Patientenbegleitung.
- Studienkoordinator bei Studienteilnahme: Onkologische Praxen, die an klinischen Studien teilnehmen, benötigen speziell geschulte Studienkoordinatoren; diese sind teuer, aber erschließen erhebliche Zusatzerlöse.
Praxis-Personal speziell für Onkologen
Eine onkologische Schwerpunktpraxis mit zwei Ärzten und einem Infusionssaal mit 10 Plätzen beschäftigt typischerweise 8 bis 14 Mitarbeitende: 4 bis 6 MFA für Infusionen und Patientenbegleitung, 1 bis 2 Studienkoordinatoren, 1 bis 2 Sekretariatskräfte und ggf. eine Psychoonkologin in Teilzeit. Die Personalkosten summieren sich auf 350.000 bis 550.000 EUR jährlich, was die Praxisrentabilität direkt beeinflusst.
Onkologisch tätige MFA benötigen Kenntnisse in Zytostatika-Handling, Venenmanagement (Portkatheter, PICC) und Umgang mit Nebenwirkungen. Die Zusatzqualifikation "Onkologische Fachkraft" oder ein DGHO-zertifizierter Kurs dauert 60 bis 120 Stunden; die Finanzierung dieser Weiterbildung durch die Praxis ist eine sinnvolle Investition in die Personalqualität.
Worauf Onkologen besonders achten sollten
Onkologen sollten in ihren Arbeitsverträgen klare Regelungen zur Arbeit mit Zytostatika aufnehmen: Schutzkleidung, Schwangerschaftsschutz und regelmäßige Gesundheitsuntersuchungen für Personal, das Zytostatika zubereitet oder verabreicht, sind gesetzlich vorgeschrieben und haftungsrechtlich relevant.
Ärzteversichert empfiehlt onkologischen Praxen, eine Betriebsunterbrechungsversicherung abzuschließen, die im Falle einer Praxisschließung (zum Beispiel durch Ausfall der zentralen Apotheke oder behördliche Maßnahmen) die Fixkosten trägt. In onkologischen Praxen sind die Fixkosten durch das hohe Personalniveau besonders hoch.
Typische Fehler bei Onkologen
Ein häufiger Fehler ist die fehlende Vertretungsplanung für den Studienkoordinator. Wenn der einzige Studienkoordinator erkrankt, können laufende Studienprotokolle unterbrochen werden, was zu Protokollverletzungen und möglichem Ausschluss aus der Studie führen kann. Eine Doppelqualifikation eines zweiten Mitarbeiters ist Pflicht.
Ein weiterer Fehler ist die unzureichende Einplanung von Fortbildungszeiten im Personalplan. Onkologisches Wissen veraltet schnell; MFA und Ärzte müssen regelmäßig an DGHO-Kongressen und Fortbildungen teilnehmen. Wer diese Zeiten nicht im Personalplan berücksichtigt, erzeugt Engpässe in der Praxis.
Fazit
Onkologische Praxen stehen und fallen mit ihrem Personal: hochqualifiziert, gut geführt und durch faire Rahmenbedingungen gebunden. Wer in sein Team investiert, sichert Qualität und Effizienz gleichermaßen. Weitere Artikel finden Sie in der Blog-Übersicht.
Quellen und weiterführende Informationen
- Bundesministerium für Arbeit und Soziales – Arbeitsschutz mit Gefahrstoffen
- Bundesärztekammer – Onkologie und Qualitätssicherung
- Kassenärztliche Bundesvereinigung – Onkologische Praxen
- Ärzteversichert – Versicherungsmakler für Mediziner
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