Der Personalaufwand in psychiatrischen Praxen ist geprägt von der besonderen Anforderung, dass alle Mitarbeitenden im Kontakt mit psychisch erkrankten Patienten besondere kommunikative und fachliche Kompetenzen mitbringen müssen. Gleichzeitig ist der Personalschlüssel in psychiatrischen Praxen kleiner als in apparateintensiven Fachrichtungen.

Das Wichtigste in Kürze

  • Psychiatrische Praxen beschäftigen typischerweise eine bis drei medizinische Fachangestellte (MFA), teils ergänzt durch Psychologen in Assistenztätigkeit oder Sozialarbeiter für Case Management.
  • Die psychische Belastung des Praxispersonals durch die Arbeit mit schwer erkrankten Patienten ist überdurchschnittlich; Konzepte zur betrieblichen Gesundheitsförderung sind deshalb besonders relevant.
  • Personalfluktuation in psychiatrischen Praxen kann die Kontinuität der Patientenversorgung gefährden; Maßnahmen zur Mitarbeiterbindung haben deshalb besondere Bedeutung.

Praxis-Personal speziell für Psychiater

Psychiatrische Praxen haben gegenüber anderen Fachpraxen einen spezifischen Personalbedarf: Die Rezeption einer psychiatrischen Praxis ist der erste Kontaktpunkt für Patienten in Krisen; hier benötigen MFA nicht nur organisatorische, sondern auch deeskalative kommunikative Kompetenzen. Viele psychiatrische Praxen schicken ihr Personal deshalb zu Schulungen in Krisenkommunikation und psychiatrischen Notfallsituationen. Das erhöht die Qualität der Versorgung und reduziert das Risiko von Zwischenfällen, die haftungsrechtliche Konsequenzen haben können.

Der Einsatz von Psychologen oder Sozialpädagogen als Praxispersonal ist in psychiatrischen Praxen wirtschaftlich attraktiv, wenn diese Personen eigenständige abrechnungsfähige Leistungen erbringen können. Psychologische Psychotherapeuten können in eigener Zulassung tätig sein oder als angestellte Therapeuten in einer psychiatrischen Praxis arbeiten (Kooperationsmodell). Letzteres ermöglicht eine Erlössteigerung der Praxis und eine bessere Versorgung der Patienten, erfordert aber einen klaren Arbeitsvertrag und eine Regelung der Liquidationsrechte.

Worauf Psychiater besonders achten sollten

Psychiatrische Praxen sollten ein klares Konzept zur psychischen Gesundheitsvorsorge des eigenen Personals haben. Regelmäßige Teamsupervision, klare Grenzen bei schwierigen Patientensituationen und ein strukturiertes Beschwerdemanagement schützen die Mitarbeitenden vor Sekundärtraumatisierungen. Ärzteversichert empfiehlt, beim Abschluss von Arbeitsverträgen auf ausreichende Kündigungsschutzklauseln zu achten, die die Praxis schützen: Wenn eine MFA nach kurzer Zeit kündigt, entstehen erhebliche Kosten für Nachbesetzung und Einarbeitung.

Typische Fehler bei Psychiatern

Ein häufiger Fehler ist die fehlende Probezeit-Nutzung. Psychiatrische Praxen, die Personal ohne ausreichende Erprobung in der spezifischen Belastungssituation unbefristet einstellen, riskieren Enttäuschungen auf beiden Seiten. Ein weiterer Fehler ist das Fehlen von schriftlichen Stellenbeschreibungen: Wenn nicht klar definiert ist, welche Aufgaben MFA und welche der Arzt übernimmt, entstehen Konflikte und Qualitätsprobleme.

Fazit

Gut ausgewähltes und psychisch stabiles Praxispersonal ist für psychiatrische Praxen ein entscheidender Qualitäts- und Wirtschaftsfaktor, der aktive Investitionen in Einarbeitung, Supervision und Mitarbeiterbindung rechtfertigt. Weitere Artikel finden Sie in der Blog-Übersicht.

Quellen und weiterführende Informationen

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