Die Praxisbewertung für Kinderarztpraxen folgt allgemeinen Grundprinzipien der medizinischen Praxisbewertung, hat aber spezifische Charakteristika: Pädiatrische Praxen sind strukturell auf einen sich ständig erneuernden Patientenstamm angewiesen (Kinder wachsen heraus), was die Bewertungslogik im Vergleich zu Praxen mit langfristig gebundenen Erwachsenenatienten beeinflusst.

Das Wichtigste in Kürze

  • Kinderarztpraxen haben eine hohe natürliche Fluktuation (Patienten werden volljährig), was sich bei der Bewertung des Goodwill mindernd auswirken kann.
  • Praxen mit Schwerpunkten (Neonatologie, pädiatrische Allergologie, Entwicklungsdiagnostik) erzielen höhere Bewertungen als reine Allgemeinpädiatrie.
  • Die demografische Situation der Einzugsregion (Geburtenrate, Familienstruktur) beeinflusst den Praxiswert wesentlich.

Praxisbewertung speziell für Kinderärzte

Die KBV-Bewertungsmethodik setzt für den ideellen Wert einer Praxis einen Umsatzmultiplikator an. Bei Kinderarztpraxen liegt dieser typischerweise zwischen 0,25 und 0,6 des Jahresumsatzes, je nach Spezialisierung, Ertragslage und regionaler Nachfrage. Eine gut aufgestellte Kinderarztpraxis in einer wachsenden Stadtregion mit Schwerpunkt Entwicklungsdiagnostik kann deutlich höhere Multiplikatoren erzielen als eine reine Allgemeinpädiatrie-Praxis in einer schrumpfenden ländlichen Region.

Die demografische Analyse der Einzugsregion ist bei der Bewertung einer Kinderarztpraxis wichtiger als bei anderen Fachrichtungen: Wer in einer Region mit stark sinkenden Geburtenzahlen kauft, erwirbt einen Patientenstamm, der über die nächsten Jahre schrumpfen wird. Diese Prognose muss im Kaufpreis berücksichtigt werden.

Worauf Kinderärzte besonders achten sollten

Der Substanzwert einer Kinderarztpraxis umfasst neben den üblichen Einrichtungsgegenständen besondere Investitionen: Pilotstuhl, Spielecke, kindgerechte Gestaltung, spezielle Diagnostikgeräte (Spirometrie, Entwicklungstestmaterialien, pädiatrischer Ultraschall). Wer bei der Bewertung nur Standard-Praxisausstattung ansetzt, unterschätzt möglicherweise den tatsächlichen Substanzwert. Ärzteversichert empfiehlt, zur Bewertung einen auf Arztpraxen spezialisierten Wirtschaftsprüfer hinzuzuziehen.

Die Bewerberlage für Kinderarzt-Nachfolger ist in Deutschland angespannt: Pädiatrie ist ein gefragtes Fach, aber die Niederlassungsbereitschaft ist aufgrund der hohen Arbeitslast in der kassenärztlichen Kindermedizin begrenzt. Abgebende Kinderärzte sollten mit längeren Nachfolge-Suchdauern von 2 bis 4 Jahren rechnen.

Typische Fehler bei Kinderärzten

Ein häufiger Fehler ist die zu frühe Preisfixierung ohne vollständige Datengrundlage: Wer einen Kaufpreis ohne aktuelle Gewinn-Überschussrechnung der letzten 3 Jahre nennt, riskiert entweder eine Unterbewertung (zu niedrig) oder schreckende Käufer ab (zu hoch). Ein zweiter Fehler betrifft die fehlende Einschätzung der Patientenaltersstruktur: Eine Praxis, bei der 40 Prozent der Patienten über 14 Jahre alt sind, steht kurz vor einem natürlichen Patientenstamm-Schwund.

Fazit

Die Praxisbewertung für Kinderärzinnen und Kinderärzte muss Demografie, Spezialisierung und Nachfolgemarkt stärker gewichten als bei anderen Fachrichtungen. Eine fundierte Bewertung auf Basis aktueller Daten ist die Grundlage für eine faire Nachfolge. Weitere Artikel finden Sie in der Blog-Übersicht.

Quellen und weiterführende Informationen

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