Die Praxisbewertung ist für Psychiater eine besondere Herausforderung, weil psychiatrische Praxen kaum apparativen Substanzwert haben und der immateriellerwert fast vollständig vom Patientenstamm und der persönlichen Reputation des abgebenden Arztes abhängt. Dieser Wert ist schwer zu übertragen und schlägt sich deshalb in niedrigeren Kaufpreisen nieder als in anderen Fachrichtungen.

Das Wichtigste in Kürze

  • Psychiatrische Praxen werden fast ausschließlich nach dem modifizierten Ertragswertverfahren bewertet; Substanzwerte (Möbel, IT) spielen eine untergeordnete Rolle.
  • Der Patientenstamm einer psychiatrischen Praxis ist häufig stark an die Person des Arztes gebunden; eine Übergabe ohne ausreichende Übergangszeit führt zu erheblichem Patientenverlust.
  • Kaufpreise für psychiatrische Praxen liegen in der Regel zwischen 80.000 und 200.000 Euro; psychotherapeutische Praxen mit voller Kassenzulassung können höhere Werte erzielen.

Praxisbewertung speziell für Psychiater

Psychiatrische Praxen haben gegenüber anderen Fachrichtungen ein besonderes Bewertungsproblem: Der Wert der Praxis liegt fast vollständig im immateriellen Bereich (Patientenstamm, Kassenarztsitz, Kooperationsnetzwerk), während der materielle Wert (Möbel, Diagnosegeräte, IT) vergleichsweise gering ist. Im modifizierten Ertragswertverfahren wird der bereinigte Jahresgewinn der letzten drei bis fünf Jahre kapitalisiert; der Kapitalisierungsfaktor liegt für psychiatrische Praxen typischerweise bei 1,0 bis 1,5, weil die hohe Personengebundenheit des Patientenstamms das Risiko für den Käufer erhöht.

Besonders hoch ist der Wert psychiatrischer Praxen, die über eine vollständige psychotherapeutische Zulassung (Genehmigung zur tiefenpsychologisch fundierten oder verhaltenstherapeutischen Behandlung) verfügen, da diese Genehmigungen begrenzt sind und eine hohe Nachfrage nach Psychotherapieplätzen besteht. Eine psychiatrische Einzelpraxis mit Kassenzulassung und Psychotherapiegenehmigung kann Kaufpreise von 150.000 bis 250.000 Euro erzielen; ohne Psychotherapiegenehmigung liegt der Wert häufig darunter.

Worauf Psychiater besonders achten sollten

Die Übergabegestaltung ist bei psychiatrischen Praxen entscheidend: Patienten mit chronischen psychischen Erkrankungen brauchen Kontinuität und Vertrauen; ein abrupter Arztwechsel führt bei einem relevanten Anteil der Patienten zu Abbruch der Behandlung, was den Praxiswert für den Käufer mindert. Ärzteversichert empfiehlt, eine Übergangsphase von mindestens sechs Monaten einzuplanen, in der Vorgänger und Nachfolger gemeinsam tätig sind und Patienten aktiv übergeleitet werden. Auf der Versicherungsseite sollte die Nachhaftungsdeckung in der Berufshaftpflichtversicherung nach der Praxisabgabe für mindestens fünf Jahre aufrechterhalten werden.

Typische Fehler bei Psychiatern

Ein häufiger Fehler ist die überhöhte Kaufpreiserwartung ohne Berücksichtigung der Übergaberisiken. Psychiater, die ihren Praxiswert auf Basis eines hohen aktuellen Umsatzes bewerten, ohne die erwartete Patientenabwanderung nach der Übergabe einzurechnen, schreckten potenzielle Käufer ab. Ein weiterer Fehler ist das Fehlen einer geordneten Patientendokumentation: Wenn die Behandlungsakte unvollständig oder schwer zugänglich ist, kann ein Nachfolger die laufenden Therapien nicht nahtlos fortführen, was die Praxis für Käufer weniger attraktiv macht.

Fazit

Die Praxisbewertung für Psychiater muss die starke Personengebundenheit des Patientenstamms realistisch einpreisen und die Übergabe so gestalten, dass Patientenkontinuität gewahrt bleibt. Weitere Artikel finden Sie in der Blog-Übersicht.

Quellen und weiterführende Informationen

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