Anästhesisten, die eine eigene Praxis oder Gemeinschaftspraxis gründen, tun dies in der Regel im Bereich der ambulanten Anästhesie oder als Kooperationspartner von Belegkliniken und ambulanten Operationszentren. Das Finanzierungsmodell für anästhesiologische Praxen unterscheidet sich erheblich von dem klassischer diagnostischer oder operativer Facharztpraxen.

Das Wichtigste in Kürze

  • Anästhesiologische Praxen haben geringere Investitionskosten als operative Fachrichtungen, da die teuren OP-Geräte in der Regel vom Kooperationspartner gestellt werden
  • Die Einnahmequellen anästhesiologischer Praxen sind die Abrechnung ambulanter Anästhesieleistungen nach EBM sowie die Privatliquidation bei Privatpatienten
  • Liquidität ist besonders wichtig, da Abrechnungszyklen quartalsweise sind und die Anlaufphase bis zur vollen Auslastung sechs bis zwölf Monate dauern kann

Praxisfinanzierung speziell für Anästhesisten

Anästhesiologische Gemeinschaftspraxen, die als externe Anästhesisten für ambulante Operationszentren tätig sind, haben in der Regel deutlich niedrigere Investitionskosten als chirurgische oder orthopädische Praxen. Die Praxisausstattung beschränkt sich auf Büroinfrastruktur, Praxissoftware und medizinische Grundausstattung; Anästhesiegeräte werden vom OP-Zentrum gestellt. Die Gesamtinvestition für eine anästhesiologische Praxisgründung liegt daher typischerweise bei 30.000 bis 80.000 EUR.

Die größte Herausforderung für anästhesiologische Praxen ist die Vorlauffinanzierung: Da Leistungen quartalsweise abgerechnet werden und die ersten Patienten erst nach Aufbau des Kooperationsnetzwerks kommen, können in den ersten sechs Monaten erhebliche Liquiditätsengpässe entstehen. Ein Kontokorrentkredit von 50.000 bis 100.000 EUR als Überbrückungslinie ist daher wichtiger als ein langfristiger Investitionskredit. Die Zinslast ist bei diesen Beträgen überschaubar; entscheidend ist die Verfügbarkeit.

Worauf Anästhesisten besonders achten sollten

Anästhesisten, die eine eigene Praxis gründen, sollten die Kooperationsverträge mit den OP-Zentren sorgfältig aushandeln. Diese Verträge regeln nicht nur das Honorar, sondern auch Haftungsfragen und Vertretungsregelungen. Ärzteversichert empfiehlt den Abschluss einer angepassten Berufshaftpflichtversicherung, die explizit ambulante Anästhesieleistungen außerhalb des Klinikrahmens abdeckt. Darüber hinaus sollte eine Praxisausfallversicherung abgeschlossen werden, die die laufenden Fixkosten bei krankheitsbedingtem Ausfall übernimmt.

Typische Fehler bei Anästhesisten

Ein häufiger Fehler ist die Unterschätzung der Zeit bis zur vollen Auslastung. Anästhesisten, die eine neue Praxis gründen, müssen zunächst Vertrauen bei OP-Zentren und überweisenden Chirurgen aufbauen; das dauert mindestens sechs bis zwölf Monate. Wer diese Phase ohne ausreichende Liquiditätsreserven beginnt, gerät schnell in finanzielle Schwierigkeiten. Ein weiterer Fehler ist die fehlende Dynamisierungsklausel in der BU-Versicherung nach der Gründung: Das neue Einkommensniveau erfordert eine sofortige Anpassung der BU-Rente.

Fazit

Die Praxisfinanzierung für Anästhesisten ist weniger kapitalkintensiv als in anderen Fachrichtungen, erfordert aber solide Liquiditätsplanung und klare Kooperationsvertragsgestaltung. Weitere Artikel finden Sie in der Blog-Übersicht.

Quellen und weiterführende Informationen

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