Die Praxisfinanzierung für Chirurgen ist wegen der hohen Investitionskosten für OP-Infrastruktur eine der komplexesten Finanzierungsaufgaben in der niedergelassenen Ärzteschaft. Wer gut vorbereitet in die Finanzierungsverhandlungen geht, sichert sich günstige Konditionen und vermeidet Liquiditätsprobleme.

Das Wichtigste in Kürze

  • Eine chirurgische Praxis mit ambulantem OP erfordert Gesamtinvestitionen von 300.000 bis 800.000 Euro; Neubauten deutlich mehr.
  • Bankdarlehen mit langer Laufzeit (10 bis 15 Jahre) und Leasing für Medizintechnik sind die wichtigsten Finanzierungsinstrumente.
  • KfW-Förderprogramme für Heilberufe und Investitionsbanken der Länder bieten günstige Darlehenskonditionen.

Praxisfinanzierung speziell für Chirurgen

Chirurgische Praxen mit ambulantem Operationssaal erfordern neben der Geräteausstattung auch spezifische Baumaßnahmen: Steril-Zone, OP-Vorbereitungsraum, Aufwachraum, Sterilabteilung und ggf. Anästhesie-Lagerraum sind bauliche Anforderungen, die in normalen Gewerbemieteinheiten nicht vorhanden sind. Umbaukosten von 100.000 bis 300.000 Euro sind für die Schaffung eines normgerechten ambulanten OP-Bereichs realistisch.

Für die Geräteausstattung (OP-Tisch: 20.000 bis 50.000 Euro, Anästhesiegerät: 30.000 bis 80.000 Euro, Arthroskopieturm: 40.000 bis 80.000 Euro, Sterilisationsanlage: 15.000 bis 40.000 Euro) empfiehlt sich eine Kombination aus Leasing und Bankdarlehen. Leasingraten für medizintechnische Geräte sind steuerlich als Betriebsausgaben vollständig abzugsfähig und schonen die Liquidität in der Anlaufphase.

Worauf Chirurgen besonders achten sollten

Chirurgen sollten bei der Finanzierungsplanung einen Liquiditätspuffer von mindestens 3 bis 6 Monaten der laufenden Betriebskosten einkalkulieren. In der Anlaufphase einer neuen chirurgischen Praxis dauert es 12 bis 24 Monate, bis das OP-Programm voll ausgelastet ist und reguläre KV-Honorarauszahlungen fließen. Ärzteversichert empfiehlt außerdem, eine Betriebsunterbrechungsversicherung abzuschließen, die bei einem erzwungenen OP-Stopp (z.B. durch Maschinenschaden oder Hygienemangel) den Einkommensausfall absichert.

Typische Fehler bei Chirurgen

Ein häufiger Fehler ist die zu knappe Eigenkapitalquote. Banken erwarten für chirurgische Praxisfinanzierungen in der Regel 20 bis 30 Prozent Eigenkapitalanteil; wer nur 10 Prozent einbringt, erhält entweder keine Finanzierung oder deutlich schlechtere Konditionen.

Fazit

Mit ausreichend Eigenkapital, einer realistischen Liquiditätsplanung und der richtigen Kombination aus Bankdarlehen und Leasing lässt sich eine chirurgische Praxis solide finanzieren. Weitere Artikel finden Sie in der Blog-Übersicht.

Quellen und weiterführende Informationen

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