Die Finanzierung einer orthopädischen Praxis gehört zu den kapitalintensivsten Niederlassungsvorhaben im ambulanten Bereich. Moderne Bildgebung, Therapiegeräte und operative Einrichtungen treiben den Investitionsbedarf erheblich in die Höhe.

Das Wichtigste in Kürze

  • Der durchschnittliche Investitionsbedarf einer orthopädischen Neugründung liegt zwischen 250.000 und 600.000 Euro.
  • Speziell für Ärzte konzipierte Bankkredite bieten Tilgungsaufschübe von bis zu 24 Monaten.
  • KfW-Förderprogramme können ergänzend eingesetzt werden und senken die Gesamtfinanzierungskosten spürbar.

Praxisfinanzierung speziell für Orthopäden

Orthopädische Praxen erfordern neben den üblichen medizintechnischen Grundausstattungen häufig besonders kostspielige Geräte: Ein digitales Röntgengerät kostet zwischen 30.000 und 80.000 Euro, ein MRT-Gerät für die Praxis zwischen 400.000 und 800.000 Euro. Nicht jede orthopädische Praxis wird eine eigene MRT-Einheit betreiben; Kooperationen mit radiologischen Praxen oder der Beitritt zu einer Gerätegemeinschaft sind häufige Alternativen. Diese Entscheidung hat erheblichen Einfluss auf den Finanzierungsbedarf.

Banken bieten niedergelassenen Ärzten in der Regel Vorzugskonditionen: Zinssätze von 3,5 bis 5 Prozent bei Laufzeiten von 10 bis 15 Jahren sind aktuell marktüblich. Wichtig ist die Einplanung eines ausreichenden Betriebsmittelkredits, da in den ersten 6 bis 12 Monaten nach Praxiseröffnung die KV-Abrechnungen noch nicht vollständig eingehen. Ein Betriebsmittelkredit von 50.000 bis 80.000 Euro gibt die notwendige Liquiditätssicherheit in der Anlaufphase.

Worauf Orthopäden besonders achten sollten

Orthopäden mit geplanter ambulanter Operationstätigkeit müssen eine zusätzliche Operationseinheit finanzieren, deren Kosten zwischen 100.000 und 250.000 Euro liegen können. Hier lohnt sich die Prüfung einer Gemeinschaftspraxis oder eines MVZ, bei dem die Investitionskosten auf mehrere Schultern verteilt werden. Ärzteversichert weist darauf hin, dass die Praxisausfallversicherung von Beginn an abgeschlossen werden sollte, da bereits kurze Ausfallzeiten bei hohen Kreditverpflichtungen zur Liquiditätskrise führen können.

Typische Fehler bei Orthopäden

Häufig wird der laufende Kapitaldienst zu hoch angesetzt, sodass in ertragsschwächeren Quartalen keine Rücklagen gebildet werden können. Ein weiterer typischer Fehler ist das Vernachlässigen der Geräteversicherung: Teure Diagnostikgeräte ohne ausreichenden Versicherungsschutz stellen ein erhebliches Risiko dar. Auch der Verzicht auf eine professionelle Betriebswirtschaftliche Auswertung (BWA) in den ersten Jahren kann dazu führen, dass finanzielle Schieflagen zu spät erkannt werden.

Fazit

Die Praxisfinanzierung für Orthopäden erfordert eine sorgfältige Planung, einen starken Bankpartner und einen realistischen Kapitaldienst, der auch saisonale Einkommensschwankungen berücksichtigt. Weitere Artikel finden Sie in der Blog-Übersicht.

Quellen und weiterführende Informationen

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