Die Praxisgründung als Allgemeinmediziner ist in Deutschland politisch erwünscht und wird durch zahlreiche Förderprogramme unterstützt. Dennoch scheitern viele Hausarzt-Gründungen an falscher Standortwahl, unzureichender Finanzplanung oder fehlenden Versicherungsabsicherungen. Wer diese Grundlagen sorgfältig durcharbeitet, hat hervorragende Aussichten auf eine wirtschaftlich stabile Praxis.
Das Wichtigste in Kürze
- Ländliche Regionen bieten Allgemeinmedizinern Fördergelder von bis zu 60.000 EUR (Bundesland-Programme) und einen garantierten Patientenstamm durch bestehende Unterversorgung.
- Die Investitionskosten für eine Allgemeinmedizin-Praxis ohne operativen Anteil liegen bei 60.000 bis 150.000 EUR; digitale Ausstattung (TI, Videosprechstunde) kommt hinzu.
- Der Businessplan muss die hausärztliche Versorgungspauschale, Selektivverträge und IGeL-Leistungen als Erlösquellen separat kalkulieren.
Praxisgründung speziell für Allgemeinmediziner
Allgemeinmediziner stehen bei der Gründung vor der Wahl zwischen Einzelpraxis, Gemeinschaftspraxis und MVZ. Die Einzelpraxis bietet maximale Selbstständigkeit, belastet aber den Gründer allein mit allen Verwaltungs- und Investitionsaufgaben. Die Gemeinschaftspraxis mit einem zweiten Hausarzt verteilt Kosten und Risiken, erfordert aber einen sorgfältig gestalteten Gesellschaftsvertrag mit Regelungen für Ausscheiden, Krankheit und Renteneintritt.
Die Bedarfsplanung der KV ist für Allgemeinmediziner in städtischen Gebieten oft ein Hindernis: Viele städtische Planungsbereiche sind für Hausärzte gesperrt. Wer in einem gesperrten Gebiet gründen möchte, muss entweder eine bestehende Praxis übernehmen oder eine Anstellung im MVZ in Betracht ziehen. In ländlichen Regionen sind dagegen offene Planungsbereiche Standard; Fördermittel und günstige Immobilienpreise machen die Gründung dort besonders attraktiv.
Worauf Allgemeinmediziner besonders achten sollten
Die Telematik-Infrastruktur (TI) ist für alle niedergelassenen Ärzte Pflicht: E-Health-Konnektor, VPN-Zugang, ePA und eRezept müssen von Beginn an eingerichtet sein. Die Kosten für Hard- und Software sowie für die Anschlussgebühren betragen einmalig 2.000 bis 5.000 EUR und laufend 100 bis 200 EUR monatlich. Ärzteversichert empfiehlt, die IT-Sicherheit der Praxis durch eine Cyberversicherung abzusichern, da Angriffe auf Praxissysteme zunehmen.
Der Abschluss einer Berufshaftpflicht vor dem ersten Praxistag ist unverzichtbar; eine Betriebsunterbrechungsversicherung schützt die Praxis bei technischen Ausfällen oder Krankheit.
Typische Fehler bei Allgemeinmedizinern
Ein häufiger Fehler ist die Wahl eines Standorts ohne Marktanalyse: Wer eine Praxis in einem Viertel eröffnet, das bereits gut hausärztlich versorgt ist, kämpft dauerhaft um Patienten. Vor der Standortentscheidung sollte die Hausarztdichte im Umkreis von 2 km analysiert werden. Ein zweiter Fehler ist die fehlende Nutzung der hausärztlichen Selektivverträge: Wer nicht aktiv den Beitritt zu Hausarztverträgen der großen Kassen prüft, lässt erhebliches Erlöspotenzial ungenutzt.
Fazit
Die Praxisgründung für Allgemeinmediziner ist politisch unterstützt, wirtschaftlich planbar und medizinisch erfüllend. Wer Standort, Finanzierung und Absicherung sorgfältig plant, legt den Grundstein für eine langfristig erfolgreiche Hausarztpraxis. Weitere Artikel finden Sie in der Blog-Übersicht.
Quellen und weiterführende Informationen
- KBV – Niederlassung und Praxisgründung Hausärzte
- Bundesgesundheitsministerium – Hausarztversorgung
- GDV – Praxisversicherungen
- Ärzteversichert – Versicherungsmakler für Mediziner
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