Die Gründung einer kardiologischen Praxis gehört zu den kapitalintensivsten Niederlassungsentscheidungen im ambulanten Sektor. Hochwertige Diagnostiktechnik, spezialisiertes Fachpersonal und eine ausgeprägte Kooperationslandschaft mit Zuweiserkliniken sind die Schlüsselfaktoren für eine erfolgreiche kardiologische Praxis.

Das Wichtigste in Kürze

  • Geräteausstattung als Investitionsschwerpunkt: Echokardiographie, Ergometrie, Holter-EKG und ggf. Herzkatheterlabor machen den Großteil der Gründungsinvestition aus.
  • Privatpatienten-Anteil schützt Wirtschaftlichkeit: Kardiologische Praxen haben häufig einen Privatpatienten-Anteil von 30 bis 50 Prozent; dieser ist entscheidend für die Refinanzierung der hohen Investitionen.
  • Zuweisernetzwerke frühzeitig aufbauen: Die Praxis lebt von Zuweisungen aus hausärztlichen Praxen und Kliniken; Netzwerkarbeit beginnt idealerweise schon in der Klinikzeit.

Praxisgründung speziell für Kardiologen

Kardiologische Neugründungen ohne Herzkatheterlabor erfordern Startinvestitionen von 400.000 bis 700.000 EUR; mit Katheterlabor liegt die Schwelle bei 1 bis 1,5 Millionen EUR. Die KV-Zulassung für invasive kardiologische Tätigkeiten setzt Strukturnachweise voraus: ausreichend dimensionierte Räumlichkeiten, qualifiziertes Personal und Notfallausstattung. Diese Anforderungen sind eng mit dem Mietvertrag und dem Personalkonzept verzahnt.

Kardiologische Praxen finanzieren sich über EBM-Honorare, GOÄ-Privatleistungen und IGeL-Angebote wie Sporttauglichkeitsuntersuchungen, Herz-CT oder Herzrhythmustracking. Der Privatanteil ist je nach Lage und Patientenklientel unterschiedlich; in Großstädten mit hohem PKV-Anteil liegen 40 bis 50 Prozent Privatpatienten drin, in ländlichen Regionen weniger.

Worauf Kardiologen besonders achten sollten

Kardiologen sollten bei der Standortwahl die Konkurrenzsituation analysieren: Wie viele Kardiologen gibt es bereits im Planungsbereich, und wie ist die Auslastung? In überversorgten Bereichen ist eine Gründung durch KV-Zulassungsausschussentscheidung erschwert oder unmöglich.

Ärzteversichert empfiehlt kardiologischen Gründern, neben der Berufshaftpflicht auch eine Elektronikversicherung für die teuren Diagnostikgeräte und eine Betriebsunterbrechungsversicherung abzuschließen. Ein Geräteausfall kann bei einem Echogerät im Wert von 150.000 EUR zu wochenlangen Einnahmenausfällen führen, die durch Betriebsunterbrechungsversicherung abgefedert werden.

Typische Fehler bei Kardiologen

Ein häufiger Fehler ist die Überschätzung der kurzfristigen Patientengewinnung. Kardiologische Patienten kommen mehrheitlich über Hausarzt-Zuweisungen; wer kein Netzwerk aufgebaut hat, wartet lange auf volle Auslastung. Ein Übergangszeitraum von 12 bis 24 Monaten muss finanziell überbrückt werden.

Ein weiterer Fehler ist die fehlende Planung der Notfalllogistik. Kardiologen müssen für Notfälle (akuter Myokardinfarkt, Reanimation) klar geregelte Abläufe haben; fehlende Notfallausstattung oder unklare Verantwortlichkeiten sind sowohl haftungsrechtlich als auch zulassungsrechtlich riskant.

Fazit

Die kardiologische Praxisgründung erfordert überdurchschnittlich viel Kapital, ein starkes Zuweisernetzwerk und eine vollständige Absicherung der hohen Geräte- und Betriebsinvestitionen. Weitere Artikel finden Sie in der Blog-Übersicht.

Quellen und weiterführende Informationen

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