Die Gründung einer onkologischen Schwerpunktpraxis ist eine der anspruchsvollsten Formen der medizinischen Niederlassung: Chemotherapie-Infrastruktur, spezialisiertes Personal, Abrechnungsgenehmigungen nach § 116b SGB V und hohe Anforderungen an Qualitätsmanagement und Zertifizierung machen die Gründungsphase komplex.
Das Wichtigste in Kürze
- Hoher Investitionsbedarf: Onkologische Praxen mit Infusionssaal, Apotheken-Kooperation und spezialisierter IT erfordern Investitionen von 400.000 bis 800.000 EUR.
- Abrechnungsgenehmigungen vorab sichern: Ohne Genehmigung zur onkologischen Chemotherapie nach EBM-Kapitel 13 ist der Betrieb nicht möglich; diese Genehmigungen erfordern Strukturnachweise.
- Zertifizierungen als Qualitätsmerkmal: Onkologische Praxen profitieren von Zertifizierungen durch die Deutsche Krebsgesellschaft, die Patientenvertrauen schaffen und Zuweiserbeziehungen stärken.
Praxisgründung speziell für Onkologen
Onkologische Praxen unterscheiden sich fundamental von anderen Fachrichtungen: Der Großteil der Erlöse entsteht durch die Abgabe von Chemotherapeutika (nach KV-Preisliste oder Apothekeneinkauf) und deren Applikation. Die Margen sind eng; ein effizienter Bestellprozess mit einer spezialisierten Onkologie-Apotheke und ein präzises Bestandsmanagement sind wirtschaftlich entscheidend.
Für die KV-Zulassung als onkologischer Schwerpunktpraxisarzt sind Strukturnachweise erforderlich: mindestens 2 Jahre onkologische Weiterbildung nach Facharztanerkennung, Nachweis einer ausreichenden Infrastruktur (Infusionsstühle, Überwachungseinrichtungen, Notfallausstattung) und Qualitätsnachweise. Die Beantragung kann mehrere Monate dauern; mit der Praxisgründungsplanung sollte 12 bis 18 Monate vor dem geplanten Start begonnen werden.
Worauf Onkologen besonders achten sollten
Onkologen sollten bei der Wahl des Praxisstandorts die Zuweisernetzwerke sorgfältig analysieren. Eine onkologische Praxis lebt von der Zusammenarbeit mit Chirurgen, Gynäkologen, Urologen und Gastroenterologen; ein Standort in der Nähe von einweisenden Fachärzten ist entscheidend für die Patientenzuweisungen.
Ärzteversichert empfiehlt onkologischen Gründern, eine vollständige Versicherungsanalyse vor der Bankfinanzierung durchzuführen. Neben der Berufshaftpflicht (Mindestdeckung 5 Millionen EUR) sind eine Betriebsunterbrechungsversicherung und eine Elektronikversicherung für die IT-Infrastruktur unverzichtbar.
Typische Fehler bei Onkologen
Ein häufiger Fehler ist die Unterschätzung der Vorlaufkosten für Apothekengenehmigungen und Zertifizierungen. Diese Kosten liegen zusätzlich zu den Praxisinvestitionskosten und können 30.000 bis 80.000 EUR betragen.
Ein weiterer Fehler ist das Fehlen einer klaren Notfallstrategie für Chemotherapie-Nebenwirkungen. Eine onkologische Praxis muss Anaphylaxien, schwere Neutropenien und kardiale Komplikationen managen können; eine ausreichende Notfallausstattung und geschultes Personal sind haftungsrechtlich und qualitätssicherungstechnisch Pflicht.
Fazit
Die onkologische Praxisgründung erfordert eine besonders sorgfältige Vorbereitung, ausreichend Eigenkapital und ein vollständiges Genehmigungsportfolio. Wer diese Grundlagen legt, baut eine wirtschaftlich attraktive und medizinisch hochwertige Praxis auf. Weitere Artikel finden Sie in der Blog-Übersicht.
Quellen und weiterführende Informationen
- Kassenärztliche Bundesvereinigung – Onkologische Genehmigungen
- Bundesärztekammer – Onkologie
- GDV – Berufshaftpflicht für Spezialärzte
- Ärzteversichert – Versicherungsmakler für Mediziner
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