Sportmediziner, die sich niederlassen, bewegen sich in einem Markt, der weit über die Kassenversorgung hinausgeht: Präventionsleistungen, Leistungsdiagnostik, Sportlerbetreuung und individuelle Gesundheitsleistungen bilden ein attraktives privatärztliches Portfolio. Die Praxisgründung in der Sportmedizin bietet deshalb erhebliche wirtschaftliche Gestaltungsmöglichkeiten, wenn das Leistungsangebot von Anfang an konsequent aufgebaut wird.
Das Wichtigste in Kürze
- Sportmedizinische Leistungen sind zu einem erheblichen Anteil privatärztlich (IGeL) abrechnungsfähig; Sportärzte erzielen typischerweise 40 bis 60 Prozent ihres Umsatzes außerhalb der GKV.
- Investitionen in Spiroergometrie, Laktatdiagnostik, Belastungs-EKG und ggf. Sonographie liegen bei 50.000 bis 120.000 EUR.
- Kooperationen mit Sportvereinen, Fitnessstudios und betrieblichen Gesundheitsprogrammen sind wichtige Wachstumshebel für die Sportmedizin-Praxis.
Praxisgründung speziell für Sportmediziner
Sportmediziner haben je nach Vorbildung (Facharzt für Allgemeinmedizin oder Orthopädie mit Zusatzbezeichnung Sportmedizin, alternativ eigenständiger Facharzt für Physikalische und Rehabilitative Medizin) unterschiedliche Abrechnungsvoraussetzungen. Als Hausarzt mit Sportmedizin-Zusatz kann man in der GKV-Abrechnung von der Grundpauschale profitieren; wer als reiner Sportmediziner ohne Hauarzt-Kassensitz arbeitet, ist stärker auf Selbstzahler angewiesen.
Das IGeL-Potenzial ist in der Sportmedizin besonders hoch: Sportlervorsorge-Untersuchungen kosten zwischen 150 und 350 EUR je Untersuchung und werden von gut verdienenden Sportlern bereitwillig gezahlt. Leistungsdiagnostik für Amateurathleten (300 bis 600 EUR je Session) und betriebsärztliche Sportgesundheits-Checks für Unternehmen ergänzen das Angebot.
Worauf Sportmediziner besonders achten sollten
Der Standort einer sportmedizinischen Praxis ist entscheidend: Nähe zu Sportvereinen, Fitnessstudios oder Hochschulen mit großem Studentenanteil erhöht den Patientenzulauf erheblich. Wer die Praxis in einer Region mit keiner sportaffinen Bevölkerung gründet, unterschätzt das Marketing-Aufwand, der nötig ist, um einen sportmedizinischen Patientenstamm aufzubauen. Ärzteversichert empfiehlt, vor der Gründung eine Marktanalyse der Sportinfrastruktur (Vereine, Studios, Leistungssportzentren) in der Zielregion durchzuführen.
Die Betriebshaftpflicht muss sportmedizinische IGeL-Leistungen einschließen; viele Standardpolicen für Kassenärzte decken privatärztliche Leistungen nur begrenzt ab.
Typische Fehler bei Sportmedizinern
Ein häufiger Fehler ist der ausschließliche Fokus auf GKV-Kassenpatienten: Wer eine Sportmedizin-Praxis gründet und den privatärztlichen Bereich vernachlässigt, verschenkt erhebliches Umsatzpotenzial. Ein zweiter Fehler betrifft die Vertragsgestaltung mit Vereinen: Viele Sportmediziner betreuen Vereine auf der Grundlage mündlicher Absprachen ohne schriftliche Honorarvereinbarung, was zu Zahlungsstreitigkeiten führt.
Fazit
Die Praxisgründung in der Sportmedizin ist bei richtiger Positionierung und konsequentem Aufbau des privatärztlichen Angebots wirtschaftlich attraktiv und medizinisch erfüllend. Weitere Artikel finden Sie in der Blog-Übersicht.
Quellen und weiterführende Informationen
- Bundesärztekammer – Sportmedizin
- KBV – Niederlassung und Praxisgründung
- GDV – Berufshaftpflicht
- Ärzteversichert – Versicherungsmakler für Mediziner
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