Die Übernahme einer bestehenden allgemeinmedizinischen Praxis ist für viele Hausärzte der attraktivste Einstieg in die Niederlassung: Ein gewachsener Patientenstamm, eingespieltes Personal und etablierte Abläufe reduzieren das Anlaufrisiko erheblich. Gleichzeitig birgt die Praxisübernahme in der Allgemeinmedizin spezifische Risiken, die sorgfältige Prüfung erfordern.
Das Wichtigste in Kürze
- Hohe Nachfrage, knappes Angebot: In vielen Regionen übersteigt die Nachfrage nach hausärztlichen Praxen das Angebot, was die Kaufpreise in die Höhe treibt.
- Bewertungsbesonderheiten: Der ideelle Wert einer Hausarztpraxis hängt stark von der Bindung des Patientenstamms an den Arzt, nicht die Praxis, ab.
- Versicherungsübergang: Beim Praxiskauf gehen Haftungsrisiken aus der Vergangenheit auf den Käufer über; eine sorgfältige Due-Diligence und angepasste Berufshaftpflicht sind unerlässlich.
Praxisübernahme speziell für Allgemeinmediziner
Allgemeinärztliche Praxen werden in Deutschland nach einem modifizierten Ertragswertverfahren bewertet. Typische Kaufpreise liegen zwischen einem und zwei Jahresumsätzen, also oft im Bereich von 150.000 bis 400.000 EUR. In Ballungsräumen können Aufschläge für Kassensitze die Gesamtinvestition auf 500.000 EUR und mehr treiben. Da hausärztliche Praxen einen großen Teil ihres Wertes im persönlichen Arzt-Patient-Verhältnis haben, ist der Übergang besonders kritisch: Bis zu 20 Prozent des Patientenstamms können die Praxis wechseln, wenn der Übergabeprozess zu abrupt erfolgt.
Eine Übergangszeit von 3 bis 6 Monaten, in der Abgeber und Übernehmer gemeinsam tätig sind, gilt in der Allgemeinmedizin als Best Practice. Diese Zeit kostet, bietet aber im Gegenzug Stabilität bei Umsatz und Personalfluktuation. Banken finanzieren Allgemeinarztpraxen wegen des stabilen Kassenhonorars in der Regel problemlos; ein Eigenkapitalanteil von 15 bis 20 Prozent wird erwartet.
Worauf Allgemeinmediziner besonders achten sollten
Allgemeinmediziner sollten vor der Kaufpreisverhandlung eine vollständige Praxisanalyse durchführen lassen, die Abrechnungsdaten der letzten drei Jahre umfasst. Besonderes Augenmerk gilt dem Anteil der Leistungen, die nur der Abgeber erbringen kann, zum Beispiel spezifische IGeL-Leistungen oder besondere Abrechnungsziffern. Diese Erlöse fallen nach dem Wechsel weg und dürfen nicht in die Kaufpreisbasis einfließen.
Ärzteversichert empfiehlt, die Praxisübernahme vollständig versicherungstechnisch abzusichern: neben der Berufshaftpflicht auch eine Praxisausfallversicherung, die bei Krankheit oder Unfall des übernehmenden Arztes die laufenden Betriebskosten trägt. Gerade in den ersten Jahren der Übernahme, in denen hohe Kreditraten laufen, kann ein unvorhergesehener Ausfall sonst existenzbedrohend sein.
Typische Fehler bei Allgemeinmedizinern
Ein klassischer Fehler ist die Übernahme ohne Einbeziehung des Praxispersonals in den Übergangsprozess. Erfahrene MFA sind das wichtigste Bindeglied zum Patientenstamm; wer das Stammpersonal durch Verunsicherung verliert, riskiert gleichzeitig Patientenabwanderung und Betriebsunterbrechungen.
Ein weiterer Fehler ist das Versäumen einer rechtlichen Prüfung der Verträge: Mietvertrag, Laborverträge, Leasingverträge für Geräte und Arbeitnehmerverträge müssen vor der Übernahme vollständig analysiert werden. Langfristige Bindungen oder Kündigungsfristen können die wirtschaftliche Handlungsfreiheit nach der Übernahme erheblich einschränken.
Fazit
Eine erfolgreiche Praxisübernahme in der Allgemeinmedizin erfordert eine faire Bewertung, eine strukturierte Übergabephase und vollständige Absicherung der laufenden Betriebsrisiken. Mit dem richtigen Partner an der Seite gelingt der Einstieg in die Niederlassung. Weitere Artikel finden Sie in der Blog-Übersicht.
Quellen und weiterführende Informationen
- Kassenärztliche Bundesvereinigung – Praxisnachfolge und Niederlassung
- Bundesärztekammer – Niedergelassene Ärzte
- GDV – Berufshaftpflicht und Praxisversicherungen
- Ärzteversichert – Versicherungsmakler für Mediziner
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