Die Praxisübernahme ist für Internisten eine häufige Form des Einstiegs in die Niederlassung, da internistische Praxen stabilen Patientenstamm und etablierte Überweisungsbeziehungen mitbringen. Gleichzeitig ist die internistische Praxisübernahme wegen der Vielzahl möglicher Schwerpunkte besonders komplex.
Das Wichtigste in Kürze
- Internistische Praxen werden häufig mit Schwerpunkten wie Kardiologie, Gastroenterologie oder Diabetologie übergeben; die Bewertung hängt stark vom Leistungsspektrum ab
- Der Kaufpreis liegt typischerweise zwischen 150.000 und 500.000 EUR; Praxen mit Schwerpunkt invasive Diagnostik erzielen höhere Bewertungen
- Eine strukturierte Einarbeitungsphase von mindestens sechs bis zwölf Monaten ist bei internistischen Praxisübernahmen unerlässlich
Praxisübernahme speziell für Internisten
Internisten bieten ein breites Spektrum diagnostischer Möglichkeiten, das je nach Schwerpunkt von der Echokardiografie über die Gastroskopie bis zur Sonografie des Abdomens reicht. Diese Diagnostikkapazitäten sind ein wesentlicher Wertfaktor bei der Praxisbewertung, da die Geräte erhebliche Investitionen darstellen und Überweiser langfristig an die Praxis binden. Eine internistische Praxis mit eigenem Langzeit-EKG, Ergometrie und Echokardiografie-Einheit hat gegenüber einer rein beratenden Praxis einen deutlich höheren Substanz- und Ertragswert.
Bei der Praxisübernahme müssen Internisten besonders sorgfältig prüfen, welche Überweisungsbeziehungen auf sie übertragbar sind. Internisten, die als Konsiliarius für umliegende Hausärzte tätig sind, haben Beziehungen aufgebaut, die auf persönlichem Vertrauen basieren. Eine strukturierte Übergabephase, in der der abgebende Internist den Nachfolger persönlich bei seinen Überweisern vorstellt, ist daher unverzichtbar für die wirtschaftliche Nachhaltigkeit der Übernahme.
Worauf Internisten besonders achten sollten
Internisten sollten bei der Due Diligence vor der Übernahme den Gerätezustand sämtlicher diagnostischer Einheiten technisch prüfen lassen. Ärzteversichert empfiehlt außerdem, im Rahmen der Übernahme die Berufshaftpflichtversicherung sofort und vollständig auf die übernommene Praxis auszurichten, da der Versicherungsschutz für alle Behandlungen ab dem ersten Tag der Übernahme lückenlos bestehen muss. Eine Rechtsschutzversicherung für medizinrechtliche Streitigkeiten schützt vor Haftungsauseinandersetzungen.
Typische Fehler bei Internisten
Ein häufiger Fehler ist die fehlende Prüfung der KV-Abrechnungshistorie: Wenn die übergebende Praxis in den letzten Jahren unter dem Fachgruppendurchschnitt abgerechnet hat, kann das ein Zeichen für unvollständige Leistungserfassung oder mangelnde Qualitätsstandards sein. Ein weiterer Fehler ist die Überschätzung der Patiententreue: Ein erheblicher Teil der Patienten einer internistischen Praxis wechselt beim Arztwechsel zu einem anderen Internisten, insbesondere bei einem größeren Altersunterschied zwischen abgebendem und übernehmendem Arzt.
Fazit
Die Praxisübernahme bietet Internisten einen bewährten Weg in die Selbstständigkeit mit vorhandener Infrastruktur, erfordert aber eine gründliche Due Diligence und eine gezielte Übergabestruktur für Patienten und Überweiser. Weitere Artikel finden Sie in der Blog-Übersicht.
Quellen und weiterführende Informationen
- KBV – Praxisübernahme und Zulassung
- Bundesärztekammer – Innere Medizin: Weiterbildung und Praxis
- GDV – Berufshaftpflicht für niedergelassene Ärzte
- Ärzteversichert – Versicherungsmakler für Mediziner
Persönliche Beratung zu diesem Thema?
Kostenfreie Erstberatung anfragen →