Die Praxisübernahme ist für Kardiologen häufig attraktiver als eine Neugründung, da kardiologische Praxen über kostspielige Gerätschaften und eingespielte Überweisernetzwerke verfügen. Gleichzeitig birgt die Übernahme spezifische Risiken, die aus der besonderen Natur kardiologischer Leistungen resultieren.
Das Wichtigste in Kürze
- Der Übernahmepreis einer kardiologischen Praxis liegt je nach Ausstattung und Spezialisierung typischerweise zwischen 200.000 und 600.000 Euro.
- Echokardiografie-Geräte, Belastungs-EKG-Systeme und ggf. Herzkatheterlabor sind Teil des Substanzwerts und müssen technisch geprüft werden.
- Selektivverträge (Disease-Management-Programme für KHK, Herzinsuffizienz) sind oft wertbestimmend und müssen separat auf Übertragbarkeit geprüft werden.
Praxisübernahme speziell für Kardiologen
Kardiologische Praxen sind auf ein enges Überweisernetzwerk aus Hausärzten und Innenstadtpraxen angewiesen. Bei einer Praxisübernahme ist deshalb zu prüfen, wie stabil und personenunabhängig dieses Netzwerk ist. Überweisungsbeziehungen, die primär auf persönlicher Freundschaft des Abgebers beruhen, sind kaum übertragbar. Stärker strukturgebundene Kooperationen, etwa im Rahmen von Hausarzt-Facharzt-Kooperationsverträgen, sind hingegen verlässlicher.
Aus technischer Sicht sind kardiologische Praxen geräteintensiv. Echokardiografen der neuesten Generation kosten 50.000 bis 120.000 Euro; ältere Geräte können veraltet und reparaturanfällig sein. Vor der Übernahme sollten alle Geräte durch einen unabhängigen Techniker geprüft und der Restwert realistisch bewertet werden. Für Praxen mit Langzeit-EKG, Herzschrittmacherkontrolle und kardialer Rehabilitation bestehen zusätzlich spezifische KV-Genehmigungen, die auf Übertragbarkeit geprüft werden müssen.
Worauf Kardiologen besonders achten sollten
Kardiologen sollten bei der Praxisübernahme besonders auf die Berufshaftpflicht des Vorgängers achten. Da kardiologische Behandlungsfehler (etwa bei Herzschrittmacher-Implantation oder interventionellen Verfahren) häufig erst nach Jahren geltend gemacht werden, ist eine Nachhaftungsversicherung für den Abgeber und eine lückenlose Haftpflichtübergabe für den Übernehmer entscheidend. Ärzteversichert unterstützt Kardiologen dabei, die Versicherungshistorie der Praxis vollständig zu analysieren und Lücken zu schließen.
Typische Fehler bei Kardiologen
Ein häufiger Fehler ist die fehlende technische Due Diligence der Praxisgeräte, die erst nach der Übernahme teure Reparaturen oder Ersatzbeschaffungen notwendig macht. Ein weiterer Fehler ist die unzureichende Einarbeitungszeit mit dem Abgeber; in der Kardiologie sind sechs bis zwölf Monate gemeinsame Tätigkeit ideal, um Patientenbeziehungen stabil zu übergeben.
Fazit
Eine strukturierte Praxisübernahme gibt Kardiologen einen starken Start in die Niederlassung und sichert das wirtschaftliche Fundament von Beginn an. Weitere Artikel finden Sie in der Blog-Übersicht.
Quellen und weiterführende Informationen
- KBV – Praxisübernahme Kardiologie
- Bundesärztekammer – Praxisbewertung
- GKV-Spitzenverband – DMP Koronare Herzkrankheit
- Ärzteversichert – Versicherungsmakler für Mediziner
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