Die Übernahme eines pathologischen Instituts oder einer pathologischen Praxis ist für Pathologen die häufigste Form der Selbstständigkeit, da Neugründungen aufwendig sind und etablierte Institute wertvolle Infrastruktur, Akkreditierungen und Einsenderbeziehungen mitbringen. Die Übernahme ist jedoch eine komplexe Due-Diligence-Aufgabe.

Das Wichtigste in Kürze

  • Pathologische Institute werden nach Substanzwert, Ertragswert und dem Wert der bestehenden Einsenderbeziehungen bewertet
  • Laborakkreditierungen, Qualitätsmanagementsysteme und Ringversuchsteilnahmen sind immaterielle Wertträger, die bei der Übernahme sorgfältig geprüft werden müssen
  • Der Kaufpreis liegt typischerweise zwischen 300.000 und 1,2 Millionen EUR, abhängig von Größe, Ausstattung und Einsendenetzwerk

Praxisübernahme speziell für Pathologen

Die Übernahme eines pathologischen Instituts ist wirtschaftlich attraktiv, weil etablierte Institute sofort einsatzbereite Laborinfrastruktur, funktionierende Prozesse und ein bestehendes Einsendenetzwerk bieten. Ein Neuaufbau dieser Strukturen würde zwei bis drei Jahre dauern; die Übernahme verkürzt diese Phase erheblich. Der Kaufpreis spiegelt diese Zeitersparnis wider und liegt daher oft deutlich über dem reinen Substanzwert der Geräte.

Die Due-Diligence vor einer Institutsübernahme muss mehrere Dimensionen umfassen: erstens den technischen Zustand der Laborgeräte und die Restlaufzeit der Gerätegarantien, zweitens den Status der Akkreditierungen und den zeitlichen Aufwand für ihre Übertragung, drittens die Stabilität der Einsenderbeziehungen und viertens die personelle Situation mit qualifizierten technischen Assistenten und Sektionsassistenten.

Worauf Pathologen besonders achten sollten

Pathologen sollten vor der Übernahme unbedingt prüfen, ob die bestehenden Akkreditierungen auf den neuen Inhaber übertragen werden können und welchen Aufwand eine Neuakkreditierung bedeuten würde. Ärzteversichert empfiehlt beim Übernahmeprozess außerdem eine Übergangshaftpflichtversicherung, die Schäden aus der Übergangsphase abdeckt, in der Verantwortungsbereiche noch nicht klar definiert sind. Der abgebende Pathologe sollte eine Nachhaftungsversicherung abschließen, die für Befunde haftet, die in seiner Verantwortungszeit erstellt wurden.

Typische Fehler bei Pathologen

Ein häufiger Fehler ist die Unterschätzung der Akkreditierungskomplexität: Nicht alle Akkreditierungen sind ohne weiteres übertragbar; manche erfordern einen vollständigen Neuantrag beim DAkkS, der Monate dauern kann. Wer davon ausgeht, dass die Akkreditierung automatisch mit dem Institut übergeht, erlebt böse Überraschungen. Ein weiterer Fehler ist die fehlende Prüfung der Einsenderverträge: Wenn klinische Pathologieleistungen auf Verträgen mit dem übergebenden Pathologen persönlich basieren und nicht auf institutsbezogenen Verträgen, kann der Übergang der Einsender nicht garantiert werden.

Fazit

Die Praxisübernahme bietet Pathologen einen schnellen Einstieg in die Selbstständigkeit mit vorhandener Infrastruktur, erfordert aber eine gründliche Due Diligence und sorgfältige vertragliche Absicherung. Weitere Artikel finden Sie in der Blog-Übersicht.

Quellen und weiterführende Informationen

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