Die Übernahme einer radiologischen Praxis ist eine der kostspieligsten Transaktionen im medizinischen Praxismarkt. Gleichzeitig bietet sie den Vorteil, sofort mit einem vollständig ausgestatteten Betrieb starten zu können. Wer die spezifischen Bewertungsfaktoren und Risiken kennt, trifft eine fundierte Entscheidung.

Das Wichtigste in Kürze

  • Radiologische Praxen werden je nach Gerätealter, Standort und Kassenleistungsvolumen mit 500.000 bis über 2 Millionen Euro bewertet.
  • Die technische Due Diligence der Geräte (MRT, CT, Röntgen) ist für den Käufer essenziell, da veraltete Geräte innerhalb von fünf Jahren ersetzt werden müssen.
  • Die Übertragung der Großgerätegenehmigung ist ein kritischer Schritt, der vom Zulassungsausschuss der KV genehmigt werden muss.

Praxisübernahme speziell für Radiologen

Radiologische Praxen haben im Vergleich zu anderen Fachgruppen eine extrem hohe Kapitalbindung. Ein 10 Jahre alter MRT-Tomograf hat einen erheblich reduzierten Restwert und muss in absehbarer Zeit ersetzt werden; dies muss in den Kaufpreis einkalkuliert werden. Die technische Due Diligence sollte deshalb durch einen unabhängigen medizinischen Gerätetechniker durchgeführt werden, der den tatsächlichen Zustand und die Restlaufzeit aller Geräte bewertet.

Ein weiterer kritischer Faktor ist die Übertragbarkeit der KV-Großgerätegenehmigungen (MRT, CT nach § 31 Ärzte-ZV). Diese Genehmigungen sind standortgebunden und werden im Übernahmefall üblicherweise mit übertragen, aber der Zulassungsausschuss muss diese Übertragung formell genehmigen. Wer die Praxis übernimmt, bevor diese Genehmigung erteilt ist, riskiert, vorübergehend keine Kassenleistungen abrechnen zu können.

Worauf Radiologen besonders achten sollten

Radiologen sollten bei der Finanzierung einer Praxisübernahme ausreichend Liquiditätsreserven einplanen: Praxisumstellungen, Umbau- oder Sanierungsmaßnahmen und die Anlaufphase unter neuem Management erfordern typischerweise sechs bis zwölf Monate Puffer. Ärzteversichert empfiehlt, den Versicherungsübergang sorgfältig zu planen, insbesondere hinsichtlich der Nachhaftung des Verkäufers für vergangene Behandlungen und der vollständigen Berufshaftpflichtdeckung des Käufers ab dem ersten Tag.

Typische Fehler bei Radiologen

Ein häufiger Fehler ist der Erwerb einer radiologischen Praxis ohne unabhängige Gerätebewertung, was nach der Übernahme zu unerwarteten Ersatzinvestitionen führen kann. Ein weiterer Fehler ist die Nichteinbeziehung des Überweisernetzwerks in die Übergabephase: Radiologen, die keine persönlichen Beziehungen zu den zuweisenden Ärzten aufbauen, verlieren häufig einen Teil des Überweiservolumens.

Fazit

Eine radiologische Praxisübernahme bietet einen hervorragenden Einstieg in die Niederlassung, setzt aber eine besonders gründliche technische und rechtliche Vorbereitung voraus. Weitere Artikel finden Sie in der Blog-Übersicht.

Quellen und weiterführende Informationen

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