Urologische Praxen haben eine stabile wirtschaftliche Basis: Das Patientenklientel umfasst häufig ältere Männer mit chronischen Erkrankungen wie Prostataerkrankungen oder Inkontinenz, was ein loyales und regelmäßig wiederkehrendes Patientenprofil erzeugt. Die Praxisübernahme bietet daher in der Regel stabile Einstiegsbedingungen.
Das Wichtigste in Kürze
- Geräteausstattung sorgfältig prüfen: Urologische Praxen nutzen Urodynamik-Anlagen, flexible Zystoskope und Ultraschallgeräte; der Zeitwert dieser Geräte beeinflusst den Praxiswert erheblich.
- Privatanteil durch IGeL-Leistungen hoch: Potenzanalyse, Fruchtbarkeitsdiagnostik und Blasen-Ultraschall sind häufige IGeL-Leistungen mit Honoraren von 80 bis 300 EUR pro Untersuchung.
- Onkologische Zulassungen beachten: Praxen mit DMP-Teilnahme oder onkologischem Schwerpunkt haben zusätzliche Abrechnungsmöglichkeiten, die vor Übernahme separat geprüft werden müssen.
Praxisübernahme speziell für Urologen
Eine urologische Einzelpraxis in einer Kleinstadt mit 1.800 bis 2.200 Scheinen pro Quartal erzielt einen Jahresgewinn von 130.000 bis 220.000 EUR. Der Praxiskaufpreis liegt typischerweise beim 0,5- bis 1,5-fachen des Jahresgewinns, also 65.000 bis 330.000 EUR. In größeren Städten mit höherem Privatpatientenanteil können die Preise deutlich darüber liegen.
Urologische Praxen mit einem etablierten onkologischen Schwerpunkt (Prostatakrebs-Nachsorge, BCG-Therapie, Harnblasenkarzinom-Betreuung) haben einen höheren Wert, weil die Patienten langfristig an die Praxis gebunden sind. Gleichzeitig erfordern diese Leistungen spezifische Genehmigungen und Qualifikationen; der Käufer muss prüfen, ob er diese Genehmigungen mitbringt oder nachbeantragen muss.
Die Zystoskopie-Einheit (starre oder flexible Zystoskopie) ist ein zentrales Arbeitsinstrument in urologischen Praxen. Flexible Videozystoskope kosten neu 15.000 bis 30.000 EUR; ältere Geräte mit eingeschränkter Bildqualität oder fehlender Videodokumentation entsprechen nicht mehr dem Standard. Der Käufer muss einkalkulieren, ob eine Neuinvestition zeitnah nach Übernahme nötig ist.
Worauf Urologen besonders achten sollten
Urologen sollten bei der Übernahme prüfen, ob die Praxis über eine gültige Strahlenschutzzulassung für Röntgenanlagen (z. B. TRUS, urodynamische Bildgebung) verfügt und ob der Verkäufer den Strahlenschutzbeauftragten aktiv gehalten hat. Eine Lücke in der Strahlenschutzdokumentation kann zu Betriebsunterbrechungen nach der Übernahme führen.
Ärzteversichert empfiehlt Urologen, nach der Praxisübernahme die Berufshaftpflichtversicherung vollständig auf das neue Tätigkeitsprofil abzustimmen. Wenn die Praxis bisher keine minimalinvasive Eingriffe (TUR-P, Blasenbiopsien) ambulant durchgeführt hat und der neue Inhaber dies plant, muss die Haftpflicht entsprechend erweitert werden.
Typische Fehler bei Urologen
Ein häufiger Fehler ist das Übernehmen eines zu hohen Privatumsatzes in die Rentabilitätsplanung. In urologischen Praxen mit älterem Patientenstamm kann der Privatanteil stark von der Persönlichkeit des Vorgängers abhängen; wer nicht dessen Stil und Empfehlungsnetzwerk fortführen kann, verliert Privatpatienten schneller als erwartet.
Ein weiterer Fehler ist die fehlende Prüfung der Apparategemeinschaft oder Kooperation mit urologischen Belegbetten. Wenn die Praxis Belegbetten in einer Klinik hatte und diese Kooperation personengebunden war, verliert der Käufer diesen Einkommenskanal sofort.
Fazit
Die urologische Praxisübernahme bietet stabile Einstiegsbedingungen, erfordert aber eine kritische Prüfung von Gerätezustand, Genehmigungsstand und Privatumsatzqualität. Weitere Artikel finden Sie in der Blog-Übersicht.
Quellen und weiterführende Informationen
- Kassenärztliche Bundesvereinigung – Praxisnachfolge Urologie
- Deutsche Gesellschaft für Urologie – Praxismanagement
- Bundesärztekammer – Berufshaftpflicht bei Praxisübernahme
- Ärzteversichert – Versicherungsmakler für Mediziner
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