Qualitätsmanagement ist für Augenarztpraxen nicht nur eine gesetzliche Pflicht, sondern auch ein wichtiges Instrument zur Verbesserung der Behandlungssicherheit. In ophthalmologischen Praxen mit operativem Schwerpunkt (Kataraktchirurgie, refraktive Chirurgie) ist ein dokumentiertes QM-System besonders wichtig, um Komplikationsraten zu minimieren und im Haftungsfall abgesichert zu sein.

Das Wichtigste in Kürze

  • Ein einrichtungsinternes QM-System ist für alle Vertragsärzte nach § 135a SGB V Pflicht
  • Augenarztpraxen mit ambulantem OP benötigen zusätzliche QM-Bausteine für den operativen Bereich (OP-Hygiene, Komplikationsmanagement)
  • Ophthalmologische QM-Systeme können auf die Normen der Deutschen Ophthalmologischen Gesellschaft (DOG) abgestimmt werden

QM-Systeme speziell für Augenärzte

Das QM-System einer ophthalmologischen Praxis muss die Anforderungen der KBV-QM-Richtlinie erfüllen und bei operativem Schwerpunkt zusätzlich die Anforderungen der Berufsgenossenschaftlichen Informationsschriften für ambulante Operationen sowie der RKI-Empfehlungen zur Krankenhaushygiene berücksichtigen. Für die Kataraktchirurgie sind spezifische Qualitätsindikatoren relevant: Komplikationsrate (z. B. Nachkapselruptur, Endophthalmitis), Visusverbesserungs-Rate nach Operation und Wartezeit bis zur Operation.

Die praktische Umsetzung des QM-Systems umfasst Behandlungspfade für häufige Diagnosen (z. B. Glaukom-Behandlungsalgorithmus, AMD-Spritzen-Protokoll), Checklisten für operative Eingriffe (chirurgische Time-Out-Prozedur nach WHO-Empfehlung), ein Fehlerbericht-System (CIRS, Critical Incident Reporting System) und regelmäßige Praxisbegehungen zur Hygieneüberprüfung. Die Dokumentation aller QM-Maßnahmen muss mindestens 5 Jahre aufbewahrt werden.

Worauf Augenärzte besonders achten sollten

Augenärzte mit LASIK-Praxis unterliegen zusätzlich den Qualitätsstandards der Deutschen Ophthalmologischen Gesellschaft für refraktive Chirurgie, die spezifische Patientenaufklärungsbögen, Mindestanforderungen an die Gerätequalität und Mindest-Follow-up-Intervalle vorschreiben. Ärzteversichert empfiehlt, alle QM-Dokumente in einem digitalen QM-System zu führen, das Versionierung und automatische Erinnerungen für Audit-Termine ermöglicht.

Typische Fehler bei Augenärzten

Ein häufiger Fehler ist die fehlende Implementierung eines CIRS-Systems: Beinahe-Zwischenfälle (z. B. falsches Auge operiert, falsche Linse implantiert) werden nicht systematisch erfasst und ausgewertet, obwohl sie wichtige Verbesserungshinweise liefern und im Schadensfall dokumentiert sein sollten. Außerdem werden Hygieneprotokolle im ambulanten OP nicht regelmäßig aktualisiert.

Fazit

Ein strukturiertes QM-System ist für ophthalmologische Praxen, besonders mit operativem Schwerpunkt, eine unverzichtbare Grundlage für Patientensicherheit und Haftungsschutz. Weitere Artikel finden Sie in der Blog-Übersicht.

Quellen und weiterführende Informationen

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