Qualitätsmanagement ist in unfallchirurgischen Praxen nicht nur gesetzlich vorgeschrieben, sondern auch ein wesentliches Instrument zur Vermeidung von Komplikationen und Haftungsrisiken. Angesichts des invasiven Leistungsspektrums haben unfallchirurgische Praxen besondere Anforderungen an ihre QM-Systeme.

Das Wichtigste in Kürze

  • § 135a SGB V verpflichtet alle Vertragsarztpraxen zur Einführung und kontinuierlichen Weiterentwicklung eines QM-Systems.
  • Unfallchirurgische Praxen mit ambulantem OP unterliegen zusätzlich der Qualitätssicherungsvereinbarung ambulantes Operieren der KV.
  • Fehler-Berichtssysteme (CIRS) sind für operative Praxen besonders wertvoll und helfen, kritische Ereignisse systematisch auszuwerten.

QM-Systeme speziell für Unfallchirurgen

Unfallchirurgische Praxen, die ambulante Operationen durchführen, müssen umfangreiche QM-Anforderungen erfüllen: Präoperative Checklisten (analog zur WHO Surgical Safety Checklist), Hygienepläne nach KRINKO-Richtlinien, Sterilisations- und Instrumentenaufbereitungsprotokolle sowie Notfallpläne für anästhesiebedingte Komplikationen. Diese Anforderungen sind in der QS-Vereinbarung ambulantes Operieren der KV verbindlich geregelt und werden bei der Praxisbegehung durch den Medizinischen Dienst überprüft.

Für das QM-Dokument selbst empfiehlt sich eine zertifizierte Lösung wie QEP (Qualität und Entwicklung in Praxen) oder DIN EN ISO 9001. Für unfallchirurgische Praxen mit D-Arzt-Status ist außerdem die Qualitätssicherung der DGUV (Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung) relevant: D-Arzt-Praxen unterliegen besonderen Anforderungen hinsichtlich Ausstattung, Röntgen-Qualitätssicherung und Dokumentation berufsgenossenschaftlicher Unfallbehandlungen.

Worauf Unfallchirurgen besonders achten sollten

Unfallchirurgen sollten ihr QM-System regelmäßig (mindestens einmal jährlich) einer internen Überprüfung unterziehen und Verbesserungen dokumentieren. Ärzteversichert empfiehlt, im Rahmen des QM-Prozesses auch den Versicherungsschutz zu überprüfen: Entsprechen die Deckungssummen der Berufshaftpflicht dem aktuellen operativen Leistungsspektrum? Haben sich neue Eingriffe etabliert, die nicht explizit versichert sind?

Typische Fehler bei Unfallchirurgen

Ein häufiger Fehler ist die Beschränkung des QM auf schriftliche Dokumentation, ohne die Prozesse im Alltag tatsächlich zu leben. QM-Systeme, die im Schrank stehen, aber nicht gelebt werden, sind bei Prüfungen und im Schadensfall wertlos. Ein weiterer Fehler ist das Fehlen regelmäßiger Mitarbeiterschulungen zu QM-Inhalten, insbesondere zu Hygiene und Notfallprozessen.

Fazit

Ein lebendiges QM-System verbessert die Patientensicherheit in unfallchirurgischen Praxen und schützt vor Haftungsrisiken. Weitere Artikel finden Sie in der Blog-Übersicht.

Quellen und weiterführende Informationen

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