Allgemeinmediziner unterschätzen oft das Risiko eines Unfalls in der Praxis oder beim Hausbesuch: Sturzunfälle auf Patientenfahrten, Stichverletzungen bei der Blutabnahme oder ein Verkehrsunfall beim nächtlichen Notfalleinsatz können zur dauerhaften Invalidität führen. Eine private Unfallversicherung ergänzt die BU-Versicherung, denn Unfälle können auch ohne Berufsbild-Beeinträchtigung erhebliche Invaliditätsgrade verursachen.
Das Wichtigste in Kürze
- Hausbesuche als Unfallrisiko: Allgemeinmediziner, die regelmäßig Hausbesuche durchführen, sind auf dem Weg zu Patienten einem erhöhten Verkehrsunfallrisiko ausgesetzt; die gesetzliche Unfallversicherung deckt Wegeunfälle, aber die Leistungen sind begrenzt.
- Nadelstichverletzungen: Blutentnahmen und Injektionen sind alltägliche Quellen für Nadelstichverletzungen; die Absicherung von beruflich bedingten Infektionserkrankungen (Hepatitis B, HIV nach Berufskontakt) durch die Unfallversicherung sollte geprüft werden.
- Invaliditätssumme ausreichend bemessen: Eine Invaliditätssumme von 500.000 EUR ist für Allgemeinmediziner Mindeststandard; bei einem Jahreseinkommen von 80.000 bis 120.000 EUR sind 800.000 bis 1,0 Millionen EUR sinnvoll.
Unfallversicherung speziell für Allgemeinmediziner
Allgemeinmediziner haben ein spezifisches Unfallprofil: Ihre Arbeit ist weniger handwerklich-operativ als die von Chirurgen, aber dafür mit häufigen Patientenfahrten, Bereitschaftsdiensten und der Exposition gegenüber infektiösen Materialien verbunden. Die private Unfallversicherung ist für Hausärzte besonders wichtig, weil die gesetzliche Berufsgenossenschaft (BG) für Angestellte nur bei Arbeitsunfällen zahlt; niedergelassene Ärzte als Selbstständige sind häufig nicht in der gesetzlichen Unfallversicherung pflichtversichert und müssen sich selbst absichern.
Für die Tarifwahl ist die Progressionsstaffel entscheidend: Eine Progression von 500 Prozent bedeutet, dass bei einer Invalidität von 50 Prozent (z. B. Verlust eines Beins) 250 Prozent der Invaliditätsgrundsumme ausgezahlt werden. Bei einer Grundsumme von 500.000 EUR wären das 1.250.000 EUR, was für einen Allgemeinmediziner mit Praxisbetrieb eine existenzsichernde Summe darstellt. Monatliche Prämien für eine solche Absicherung liegen für einen 40-jährigen Allgemeinmediziner bei 80 bis 150 EUR.
Worauf Allgemeinmediziner besonders achten sollten
Allgemeinmediziner sollten prüfen, ob ihre Unfallversicherung Infektionskrankheiten durch Berufskontakt einschließt: Nicht alle Tarife leisten bei Hepatitis C oder HIV nach einem Nadelstich; ein expliziter Infektionsklausel-Einschluss ist für Ärzte unverzichtbar. Außerdem sollte die Unfallversicherung eine Kosmetikklausel enthalten, die plastisch-chirurgische Maßnahmen nach Unfällen (z. B. Narbenkorrekturen) finanziert. Ärzteversichert analysiert für Allgemeinmediziner, ob die Unfallversicherung sinnvoll zur BU-Versicherung ergänzt oder ob Überschneidungen bestehen.
Typische Fehler bei Allgemeinmedizinern
Ein häufiger Fehler ist das Verwechseln von BU-Versicherung und Unfallversicherung: Die BU zahlt auch bei Erkrankung (der häufigere Fall); die Unfallversicherung nur bei Unfällen (seltener, aber oft höhere Einmalleistung). Beide Produkte ergänzen sich und sollten nebeneinander bestehen. Zweiter Fehler: die fehlende Anpassung der Invaliditätssumme an das gestiegene Einkommen. Wer mit 30 Jahren 300.000 EUR Invaliditätssumme vereinbarte und heute 120.000 EUR jährlich verdient, ist erheblich unterversichert. Drittens vergessen manche Allgemeinmediziner, die Fahrtätigkeit im Rahmen von Hausbesuchen im Antrag anzugeben; nicht angegebene Fahrrisiken können im Schadenfall zur Leistungskürzung führen.
Fazit
Die private Unfallversicherung ist für Allgemeinmediziner eine unverzichtbare Ergänzung zur BU-Absicherung, besonders für die berufsspezifischen Risiken von Hausbesuchen, Nadelstichverletzungen und Bereitschaftsdiensten. Weitere Artikel finden Sie in der Blog-Übersicht.
Quellen und weiterführende Informationen
- GDV – Unfallversicherung Leistungsübersicht
- BaFin – Versicherungsaufsicht
- Bundesministerium für Arbeit und Soziales – Unfallversicherung
- Ärzteversichert – Versicherungsmakler für Mediziner
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