Chirurgen sind einer der Berufsgruppen, für die eine private Unfallversicherung besonders sorgfältig kalibriert werden muss: Die Hände und Finger sind das wichtigste Arbeitsinstrument; eine Schnittverletzung, ein Knochenbruch oder eine Sehnenverletzung kann die operative Tätigkeit für Monate oder dauerhaft einschränken. Die gesetzliche Unfallversicherung deckt nur Arbeitsunfälle und Berufskrankheiten; private Unfälle in der Freizeit fallen nicht darunter.

Das Wichtigste in Kürze

  • Die private Unfallversicherung für Chirurgen muss eine Progressionsstaffel von mindestens 300 Prozent enthalten, um bei dauerhafter Invalidität der Hände eine ausreichende Einmalzahlung zu gewährleisten.
  • Die Gliedertaxe sollte für Chirurgen besonders günstige Bewertungen für Finger und Hände enthalten; marktübliche Gliedertaxen bewerten den Verlust eines Zeigefingers mit 10 bis 20 Prozent; für Chirurgen ist eine Sondertaxe mit 25 bis 35 Prozent anzustreben.
  • Berufsunfähigkeits- und Unfallversicherung ergänzen sich; wer nur eine BU-Police hat, ist bei bleibenden Unfallschäden unterhalb der BU-Schwelle unzureichend abgesichert.

Unfallversicherung speziell für Chirurgen

Die Besonderheit der Unfallversicherung für Chirurgen liegt in der Bewertung der Handfunktion. Die Standardgliedertaxe vieler Versicherer bewertet den Verlust des Daumens mit 20 bis 25 Prozent des versicherten Kapitals; für einen Chirurgen, dessen operative Tätigkeit zu 80 Prozent von der Daumen-Fingerfunktion abhängt, ist diese Bewertung deutlich zu niedrig. Spezielle Ärzte-Unfallversicherungen bieten eine erweiterte Gliedertaxe an, die für Chirurgen Fingerverluste mit bis zu 40 bis 50 Prozent bewertet.

Die Versicherungssumme sollte für niedergelassene Chirurgen mindestens dem 3- bis 5-fachen Jahresbruttoeinkommen entsprechen; bei einem Jahreseinkommen von 200.000 EUR wären das 600.000 bis 1 Million EUR. Mit einer Progressionsstaffel von 300 Prozent würde bei einer 100-prozentigen Invalidität (z. B. vollständige Handlähmung) 2 bis 3 Millionen EUR ausgezahlt; das entspricht dem Kapital, das für eine adäquate dauerhafte Versorgung nötig ist.

Krankenhausärzte mit Unfällen im Bereitschaftsdienst haben in der Regel gesetzlichen Unfallversicherungsschutz über die Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege (BGW); dieser Schutz endet mit dem Verlassen des Arbeitsplatzes. Wer nachts auf dem Heimweg vom Krankenhaus verunglückt, ist unter dem Arbeitsweg-Schutz abgesichert; wer am Wochenende beim Sport eine Handverletzung erleidet, nicht.

Worauf Chirurgen besonders achten sollten

Chirurgen sollten bei der Risikoeinschätzung durch den Versicherer darauf achten, dass ihre Tätigkeit korrekt als "Arzt mit operativer Tätigkeit" eingestuft wird: Manche Versicherer stufen diese Gruppe in eine höhere Risikoklasse ein und berechnen entsprechend höhere Prämien; andere bieten Spezialkonditionen für Ärzte an, die für Chirurgen günstiger sein können. Ärzteversichert empfiehlt, Vergleichsangebote von mindestens 3 bis 5 Versicherern einzuholen.

Freizeitaktivitäten mit erhöhtem Unfallrisiko (Motorradfahren, Klettern, Extremsport) können zu Ausschlüssen oder Beitragszuschlägen führen; wer diese Aktivitäten nicht angibt, riskiert im Schadenfall eine Leistungsablehnung wegen vorvertraglicher Anzeigepflichtverletzung.

Typische Fehler bei Chirurgen

Ein häufiger Fehler ist die Unterschätzung des Unfallrisikos in der Freizeit: Statistisch passieren mehr als 60 Prozent aller Unfälle in der Freizeit; wer nur auf den Berufsunfallschutz vertraut, hat die größte Unfallwahrscheinlichkeit nicht abgesichert. Ein zweiter Fehler betrifft die zu niedrig gewählte Versicherungssumme: Wer 200.000 EUR versichert und bei 50 Prozent Invalidität 100.000 EUR erhält, kann damit die finanzielle Auswirkung einer dauerhaften Einschränkung der Operationsfähigkeit nicht auffangen.

Fazit

Die private Unfallversicherung für Chirurgen muss auf die operative Tätigkeit zugeschnitten sein; eine Sondergliedertaxe, hohe Versicherungssumme und Progressive schützen das wichtigste Kapital des Chirurgen: die Handfunktion. Weitere Artikel finden Sie in der Blog-Übersicht.

Quellen und weiterführende Informationen

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