Onkologen sind beruflich zwar keinen akuten körperlichen Gefahren ausgesetzt wie Chirurgen oder Notärzte, doch die hohe psychische Belastung durch die ständige Konfrontation mit schwer erkrankten Patienten und die langen Arbeitszeiten in der Hämatologie und Onkologie erhöhen das Risiko für Erschöpfungszustände und gesundheitliche Folgeschäden. Eine private Unfallversicherung ergänzt die gesetzliche Unfallversicherung sinnvoll.

Das Wichtigste in Kürze

  • Die gesetzliche Unfallversicherung der Berufsgenossenschaft deckt nur Arbeitsunfälle und Wegeunfälle ab; Freizeitunfälle, die weit häufiger sind, fallen nicht darunter.
  • Onkologen sollten bei der privaten Unfallversicherung auf eine ausreichende Invaliditätssumme von mindestens 500.000 Euro achten, da ein Unfall mit bleibender Einschränkung den Beruf langfristig beeinträchtigen kann.
  • Synergien zwischen Unfallversicherung und Berufsunfähigkeitsversicherung sollten bei der Tarifauswahl beachtet werden, um Doppelversicherungen zu vermeiden.

Unfallversicherung speziell für Onkologen

Onkologen verbringen den größten Teil ihrer Arbeitszeit in nicht-operativer klinischer Tätigkeit: Visitenrunden, Chemotherapiegaben, Aufklärungsgespräche, Tumorboard-Sitzungen und wissenschaftliche Arbeit. Das direkte körperliche Unfallrisiko am Arbeitsplatz ist damit geringer als bei operativen Fachärzten. Dennoch besteht ein erhebliches Unfallrisiko außerhalb der Arbeit: Sport, Verkehr und häusliche Aktivitäten verursachen in Deutschland jährlich mehr als acht Millionen Unfälle, von denen ein erheblicher Teil bleibende Einschränkungen hinterlässt.

Eine besondere Risikokonstellation für Onkologen ist die berufliche Strahlenexposition. Niederenergetische Strahlung bei Röntgenkontrollen oder im Umfeld von Bestrahlungseinheiten ist reguliert und überwacht; dennoch empfiehlt sich im Rahmen der Unfallversicherung eine Klausel, die Strahlenunfälle explizit einschließt, sofern die Police diese Option anbietet. Die Invaliditätsgrundsumme sollte mindestens auf Höhe des Jahreseinkommens festgelegt werden; bei einem Jahreseinkommen von 150.000 Euro bedeutet das eine Grundsumme von mindestens 150.000 Euro, idealerweise mit progressiver Staffelung auf 500.000 bis 750.000 Euro bei höherer Invalidität.

Worauf Onkologen besonders achten sollten

Bei der Auswahl einer privaten Unfallversicherung sollten Onkologen auf den Verzicht auf bestimmte Ausschlussklauseln achten: Einige Tarife schließen Unfälle bei psychischen Ausnahmezuständen aus, was im Zusammenhang mit dem hohen Stress im onkologischen Umfeld relevant werden kann. Ärzteversichert empfiehlt, Unfallversicherung und Berufsunfähigkeitsversicherung als komplementäre, nicht als konkurrierende Produkte zu verstehen: Die BU schützt bei Erkrankungen, die Unfallversicherung bei körperlichen Unfallfolgen.

Typische Fehler bei Onkologen

Ein typischer Fehler ist das Unterschätzen des Freizeitunfallrisikos. Onkologen, die sportlich aktiv sind (Skifahren, Klettern, Radsport), haben ein statistisch höheres Unfallrisiko als die Normalbevölkerung. Unfallversicherungen mit Risikoausschlüssen für bestimmte Sportarten sollten kritisch geprüft werden. Ein weiterer Fehler ist die zu geringe Invaliditätsgrundsumme in Kombination mit einer niedrigen Progression: Wer bei 30 Prozent Invalidität nur 90.000 Euro erhält, ist im Fall eines schweren Unfalls nicht ausreichend abgesichert.

Fazit

Eine private Unfallversicherung mit ausreichender Invaliditätssumme und progressiver Staffelung ist für Onkologen eine sinnvolle Ergänzung zur gesetzlichen Unfallversicherung und zur BU-Absicherung. Weitere Artikel finden Sie in der Blog-Übersicht.

Quellen und weiterführende Informationen

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