Unfallchirurgische Praxen sind geprägt von einem hohen Anteil unplanbarer Akutereignisse: Sportverletzungen, Arbeitsunfälle und häusliche Unfälle kommen in der Regel ungeplant und zeitnah zur Erstversorgung. Effizientes Wartezeiten-Management ist für Unfallchirurgen daher besonders anspruchsvoll und gleichzeitig besonders wichtig.
Das Wichtigste in Kürze
- Unfallchirurgische Praxen benötigen täglich ausreichend freie Kapazitäten für Akutereignisse; feste Planungstermine und Akutblöcke sollten klar getrennt werden.
- Kurze Kontrolltermine für Wundversorgungen und Gipskontrollen lassen sich gut in komprimierte Zeitblöcke packen und reduzieren so Gesamtwartezeiten.
- Telefonische Triage durch qualifizierte MFA kann unnötige persönliche Vorstellungen reduzieren.
Wartezeiten-Management speziell für Unfallchirurgen
Unfallchirurgen, die als D-Arzt (Durchgangsarzt) zugelassen sind, haben eine besondere Verpflichtung zur zeitnahen Erstversorgung von BG-Patienten. Diese Verpflichtung lässt sich nur durch ausreichende freie Kapazitäten im Tagesplan erfüllen. Empfehlenswert ist, täglich 2 bis 3 Stunden als "Akutblock" freizuhalten und diese Zeiten nicht mit planbaren Terminen zu füllen.
Planbare Kontrollen nach Frakturen, postoperative Nachsorge und Verbandswechsel können in komprimierte Zeitblöcke am frühen Morgen oder am späten Nachmittag zusammengefasst werden. Verbandswechsel, die von gut ausgebildeten MFA durchgeführt werden können, entlasten den Arzt und verkürzen die Gesamtdurchlaufzeit. In einer Praxis mit 15 bis 20 Verbandswechseln täglich lässt sich so eine Arztzeit von 30 bis 45 Minuten täglich einsparen.
Worauf Unfallchirurgen besonders achten sollten
Unfallchirurgen mit D-Arzt-Zulassung sollten sicherstellen, dass die Erreichbarkeit ihrer Praxis für Berufsgenossenschaften jederzeit gewährleistet ist. Ausfallzeiten, die die BG-Versorgung gefährden, können die D-Arzt-Zulassung gefährden. Ärzteversichert empfiehlt, für Urlaubs- und Krankheitszeiten klare Vertretungsregelungen zu treffen und diese mit der Berufsgenossenschaft abzustimmen.
Typische Fehler bei Unfallchirurgen
Ein häufiger Fehler ist das Fehlen eines einheitlichen Triage-Protokolls für Telefonanrufe. Wenn jede MFA nach eigenem Ermessen entscheidet, ob ein Patient sofort oder erst am nächsten Tag kommen soll, entstehen inkonsistente Wartezeiten und potenzielle Haftungsrisiken bei Fehleinschätzungen.
Fazit
Strukturierte Trennung von Akut- und Plankapazitäten sowie klare Delegationsregeln sind die Schlüsselelemente für effizientes Wartezeiten-Management in unfallchirurgischen Praxen. Weitere Artikel finden Sie in der Blog-Übersicht.
Quellen und weiterführende Informationen
- KBV – D-Arzt-Verfahren und Praxisorganisation
- Bundesärztekammer – Delegation und Praxisablauf
- BMAS – Berufsgenossenschaft und D-Arzt-Verfahren
- Ärzteversichert – Versicherungsmakler für Mediziner
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