Eine KIM-Adresse (Kommunikation im Medizinwesen) ist für Vertragsärzte seit der Pflicht-Anbindung zur Telematikinfrastruktur (TI) faktisch unverzichtbar. 2026 erweitert sich die Pflichtnutzung: Neben der elektronischen Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (eAU) sind eRezept-Übermittlung, ePA-Befüllung und Arztbrief-Versand zunehmend nur über KIM möglich. Praxen ohne aktive KIM-Anbindung können Pflichtaufgaben gegenüber Krankenkassen und Patienten nicht digital erfüllen.
KIM ist 2026 für niedergelassene Vertragsärzte de-facto verpflichtend. Ohne aktive KIM-Adresse können eAU, eRezept und ePA-Schreibvorgänge nicht durchgeführt werden. Die Einrichtung erfolgt über zertifizierte Anbieter (CompuGroup, D-Trust, Doctorbox) mit Lieferzeiten von 2 bis 6 Wochen.
Hintergrund
KIM ist der verschlüsselte E-Mail-Dienst innerhalb der Telematikinfrastruktur, betrieben durch zertifizierte Provider und reguliert von der gematik. Wichtige Punkte 2026:
- Pflicht-Anwendungsfälle: eAU (seit 2024), eRezept-Übermittlung an Apotheken, ePA-Schreibvorgänge, elektronischer Arztbrief (eArztbrief).
- Sanktionen: Vertragsärzte ohne TI-Anbindung verlieren 2,5 Prozent ihrer KV-Vergütung; bei fehlender KIM-Anwendung drohen weitere Honorarabschläge.
- Provider-Auswahl: Zertifizierte Anbieter sind unter anderem CompuGroup (KIM by CGM), D-Trust (mailKIM), Doctorbox, KV-SafeNet-Provider.
- Kosten: Einrichtung 100 bis 300 EUR einmalig, laufend 5 bis 15 EUR pro Monat je nach Anbieter und Funktionsumfang.
- Technische Voraussetzung: Aktueller TI-Konnektor, gültiger Praxisausweis (SMC-B) sowie integrationsfähiges Praxisverwaltungssystem (PVS).
Was Ärzte konkret tun sollten
- Anbieter wählen und beauftragen: Bei mehreren Anbietern Konditionen vergleichen, insbesondere zu Postfach-Volumen und Speicherdauer.
- Lieferzeit einplanen: 2 bis 6 Wochen vom Antrag bis zur produktiven Nutzung; rechtzeitig vor Pflicht-Stichtag beantragen.
- MFA-Team schulen: Mindestens zwei Mitarbeiterinnen müssen KIM bedienen können (Vertretung bei Urlaub und Krankheit).
- PVS-Integration prüfen: Mit dem PVS-Anbieter klären, ob KIM nahtlos im Workflow eingebunden werden kann oder ob ein Standalone-Client nötig ist.
- Cyber-Versicherung anpassen: KIM-Pannen (Phishing, Account-Übernahme) sollten in der Cyber-Police mitversichert sein. Bedingungen entsprechend prüfen.
- Backup-Plan dokumentieren: Bei KIM-Ausfall ist die Praxis nicht handlungsfähig. Alternative Übermittlungswege vorab definieren.
Wann gilt das nicht?
Privatärztlich tätige Praxen ohne KV-Zulassung haben keine Pflicht zur KIM-Anbindung, profitieren aber vom freiwilligen Anschluss. Klinikärzte nutzen meist die KIM-Infrastruktur des Krankenhauses und brauchen keine eigene Adresse. Praxen in Vertretung (Vertretungsärzte) nutzen die KIM-Adresse der Hauptpraxis.
Quellen
- Bundesgesundheitsministerium — Digitalisierung
- KBV — Praxisführung
- Bundesärztekammer — Qualitätssicherung
Verbindliche technische Spezifikationen veröffentlicht die gematik (namentlich ohne URL — Zugriff über die offizielle Webseite der gematik GmbH). Ärzteversichert berät Praxisinhaber zur Berufshaftpflicht- und Cyber-Absicherung rund um die TI- und KIM-Pflicht. Weitere Beiträge in der Blog-Übersicht.
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