Allgemeinmediziner brauchen eine Personalstrategie, die sowohl die Gewinnung als auch die langfristige Bindung von Medizinischen Fachangestellten (MFA) in den Mittelpunkt stellt, weil Hausarztpraxen im Wettbewerb um qualifizierte Kräfte besonders unter Druck stehen.
Hintergrund
In Deutschland gibt es laut KBV rund 55.000 hausärztliche Praxen. Mit durchschnittlich 2 bis 4 MFA pro Praxis ergibt sich ein Gesamtbedarf von über 100.000 qualifizierten Fachangestellten. Gleichzeitig sinken die Ausbildungszahlen seit Jahren, während Rentenabgänge steigen. Für Allgemeinmediziner bedeutet das: Wer keine aktive Personalpolitik betreibt, verliert Mitarbeiterinnen an besser zahlende oder modern aufgestellte Arbeitgeber.
Erfolgversprechende Maßnahmen umfassen übertarifliche Vergütung (der tarifliche Mindestlohn für MFA liegt bei rund 14 Euro/Stunde, marktübliche Praxen zahlen heute 16 bis 20 Euro), flexible Arbeitszeitmodelle, Homeoffice-Anteile in der Verwaltung sowie strukturierte Einarbeitung und Weiterbildungsmöglichkeiten. Praxisinhaber sollten zudem regelmäßige Mitarbeitergespräche führen und Aufgabenverantwortung gezielt übertragen.
Ärzteversichert empfiehlt, im Rahmen der Praxisorganisation auch die eigene Absicherung als Praxisinhaber zu überdenken: Fällt der Arzt aus, bricht das gesamte Personalmodell zusammen.
Wann gilt das nicht?
In ländlichen Regionen mit sehr geringer Arztdichte sind MFA teils leichter zu finden, weil Alternativen fehlen. Praxen in medizinischen Versorgungszentren (MVZ) mit größeren Trägern können Personalverantwortung zentralisieren und profitieren von institutionellen Recruiting-Ressourcen.
Quellen
- Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV): Praxismanagement und Personal
- Bundesärztekammer: Ausbildung zur Medizinischen Fachangestellten
- Bundesministerium für Gesundheit: Gesundheitsberufe und Fachkräftesicherung
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