Negative oder falsche Bewertungen auf Portalen wie Jameda, Google oder Doctolib können den Patientenzulauf einer Praxis erheblich beeinträchtigen. Ärzte haben unter bestimmten Voraussetzungen einen rechtlichen Anspruch auf Löschung, der durch spezialisierte Dienstleister oder eigene rechtliche Schritte durchgesetzt werden kann.

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Unwahre Tatsachenbehauptungen und beleidigende Bewertungen können gelöscht werden
  • Der BGH hat in mehreren Urteilen die Löschungspflicht von Portalbetreibern gestärkt (BGH VI ZR 34/15)
  • Spezialisierte Rechtsanwaltskanzleien bieten häufig effektivere Lösungen als allgemeine Reputationsmanagement-Agenturen

Ausführliche Antwort

Portalbetreiber sind nach der Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs zur Prüfung und Löschung von Bewertungen verpflichtet, sobald der Bewertete konkrete Anhaltspunkte für eine Rechtsverletzung vorträgt. Bewertungen ohne nachweisbaren Patientenkontakt, erfundene Behandlungsdetails oder persönliche Beleidigungen können über das Portal selbst gemeldet oder per Anwaltsschreiben angefochten werden.

Für die direkte Gegenwehr empfehlen sich auf Medizinrecht spezialisierte Kanzleien, die Erfahrung mit Jameda und Google haben. Zu den bekannten Akteuren gehören Kanzleien wie Härting Rechtsanwälte, Dr. Bahr und Partner oder Soldan, die gezielt im Bewertungsrecht tätig sind. Reputationsmanagement-Agenturen wie Reputation.com bieten breitere Dienstleistungen an, sind aber oft teurer und nicht auf den deutschen Rechtsraum spezialisiert.

Kosten für anwaltliche Abmahnung und Löschungsaufforderung liegen je nach Aufwand zwischen 300 und 1.500 Euro pro Bewertung. Manche Rechtsschutzversicherungen übernehmen diese Kosten, wenn ein Praxis-Rechtsschutz vereinbart ist.

Worauf Ärzte besonders achten sollten

Ärzte sollten Bewertungsprofile regelmäßig überwachen und einen Screenshot jeder problematischen Bewertung mit Zeitstempel archivieren, bevor sie Löschungsschritte einleiten. Ärzteversichert empfiehlt den Abschluss einer Praxis-Rechtsschutzversicherung, die Rechtsstreitigkeiten rund um Bewertungsportale abdeckt, um im Ernstfall nicht auf Honorarkosten sitzen zu bleiben.

Quellen und weiterführende Informationen

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