Pathologen haben besondere Anforderungen an ein Praxisverwaltungssystem (PVS), da sie überwiegend mit Einsendungen aus Kliniken und Praxen arbeiten, aufwendige histologische Befunde dokumentieren und eine enge Schnittstelle zur Labordatenverarbeitung (LIS) benötigen. Standard-PVS für Allgemeinmediziner sind hier in der Regel nicht geeignet.

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Spezialisierte Laborinformationssysteme (LIS) mit PVS-Integration (z. B. iMedOne Path, Pathiom) bevorzugen
  • Digitale Pathologie: Systeme sollten scannerbasierte Whole-Slide-Imaging-Integration unterstützen
  • KIM-Anbindung für den sicheren Befundversand an Einsender ist seit 2024 Pflicht in der Kassenpraxis

Ausführliche Antwort

Die pathologische Praxis unterscheidet sich fundamental von anderen Fachrichtungen: Patienten kommen nicht in die Praxis, sondern Gewebebiopsien und Untersuchungsmaterial werden eingesandt. Die Arbeit des Pathologen besteht aus Materialeingang, Makroskopie, Histologie, Befunderstellung und Befundversand. Ein geeignetes PVS muss daher primär als Laborinformationssystem (LIS) konzipiert sein.

Spezialisierte Systeme wie Pathiom, iMedOne Path oder SOPHOS bieten strukturierte Befundeingabe für histologische und zytologische Untersuchungen, Barcodeverwaltung für Proben, automatische Rechnungsstellung nach GOÄ/EBM und Schnittstellen zu digitalen Scannern für Whole-Slide-Imaging (WSI). Die KIM-Anbindung (Kommunikation im Medizinwesen) ermöglicht seit 2024 den sicheren, datenschutzkonformen Befundversand an Einsender. Die Kosten für ein vollwertiges LIS mit PVS-Integration starten bei ca. 3.000 bis 8.000 Euro für Erstlizenz und Einrichtung, zuzüglich monatlicher Supportgebühren von 200 bis 500 Euro.

Beim Systemwechsel ist besonders auf Datenmigration und die Verfügbarkeit historischer Befunde zu achten, da diese für Vergleichsbefunde klinisch relevant sind. Ebenso müssen DSGVO-konforme Archivierungsfristen (10 Jahre für histologische Befunde) technisch gewährleistet sein.

Worauf Ärzte besonders achten sollten

Ärzteversichert empfiehlt Pathologen, beim Wechsel oder der Neuanschaffung eines PVS auch den Versicherungsschutz für IT-Systeme zu überprüfen. Eine Cyber-Versicherung deckt Datenverlust, Ransomware-Angriffe und Betriebsunterbrechungen durch IT-Ausfälle ab. Die Kosten für eine solche Police starten bei ca. 600 Euro jährlich für mittelgroße Pathologie-Praxen.

Quellen und weiterführende Informationen

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