Ein Selbstbehalt in der PKV ist ein jährlicher Eigenanteil, den der Versicherte bis zu einer bestimmten Summe selbst trägt, bevor die Versicherung leistet. Im Gegenzug wird die Monatsprämie deutlich reduziert. Für Ärzte mit hohem Einkommen und geringem Krankheitsrisiko kann ein Selbstbehalt wirtschaftlich attraktiv sein, birgt aber bei häufiger Inanspruchnahme das Risiko höherer Gesamtkosten.
Das Wichtigste auf einen Blick
- Selbstbehalte in der PKV reduzieren die Monatsprämie, erhöhen aber den Eigenanteil bei tatsächlicher Inanspruchnahme
- Sinnvoll für gesunde Ärzte, die Arztbesuche und Medikamente selten nutzen und die Prämieneinsparung anlegen
- Nicht empfehlenswert bei chronischen Erkrankungen oder regelmäßiger Medikamenteneinnahme
Ausführliche Antwort
PKV-Tarife mit Selbstbehalt sind häufig nach Stufen gestaffelt: 300, 600, 1.200 oder 2.400 Euro jährlicher Eigenanteil. Je höher der Selbstbehalt, desto größer die Prämieneinsparung. Bei einem Selbstbehalt von 1.200 Euro kann die Monatsprämie um 80 bis 150 Euro sinken, was jährlich 960 bis 1.800 Euro Ersparnis bedeutet.
Ein Selbstbehalt-Modell rechnet sich für Ärzte, wenn die tatsächlichen Arztkosten im Durchschnittsjahr unter dem Selbstbehalt bleiben. Wer als gesunder Arzt im Jahr typischerweise nur zur Vorsorge und für ein bis zwei Arztbesuche geht, zahlt de facto nur den Selbstbehalt als Eigenkostenanteil und spart gleichzeitig bei der Prämie. Die eingesparte Prämie sollte für das Alter angelegt werden.
Nachteilig ist, dass ein höherer Selbstbehalt im Krankheitsfall zu einem psychologischen Verzögerungseffekt führen kann: Ärzte könnten Arztbesuche aus Kostengründen hinauszögern, was medizinisch nicht sinnvoll ist. Außerdem gelten Selbstbehalte häufig nicht für Vorsorgeuntersuchungen oder bestimmte Leistungsbereiche.
Worauf Ärzte besonders achten sollten
Ärzteversichert empfiehlt, beim Selbstbehalt-Modell die langfristige Entwicklung der Gesundheitskosten zu berücksichtigen. Mit steigendem Alter und möglicherweise wachsenden Gesundheitsausgaben kann ein hoher Selbstbehalt zunehmend belastend werden. Eine Anpassung der Selbstbehaltstufe sollte im PKV-Tarif ohne Gesundheitsprüfung möglich sein.
Quellen und weiterführende Informationen
- PKV-Verband – Tarife und Selbstbehalt
- BaFin – Krankenversicherungsaufsicht
- Ärzteversichert – Versicherungsmakler für Mediziner
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