Augenärzte sind zwei verschiedenen Regressarten ausgesetzt: dem Wirtschaftlichkeitsregress der KV für Verordnungsverhalten und dem zivilrechtlichen Haftungsregress bei Behandlungsfehlern. Beide Risiken sind in der Augenheilkunde erheblich, aber mit dem richtigen Vorgehen beherrschbar.

Das Wichtigste auf einen Blick

  • KV-Regress betrifft vor allem teure Medikamente wie Anti-VEGF-Injektionen und Kontaktlinsenoptik
  • Haftungsfälle entstehen häufig nach Kataraktoperationen und LASIK-Eingriffen
  • Schadensersatzforderungen bei Sehverschlechterungen nach Operationen können 100.000 Euro übersteigen

Ausführliche Antwort

Im Bereich des Wirtschaftlichkeitsregresses sind Augenärzte besonders durch die Verordnung teurer intravitrealer Injektionen gefährdet. Anti-VEGF-Präparate wie Ranibizumab oder Brolucizumab kosten pro Injektion 600 bis 1.200 Euro. Wenn ein Augenarzt mehr verordnet als der Fachgruppendurchschnitt, kann die KV eine Prüfung einleiten. Regressforderungen von 10.000 bis 50.000 Euro pro Quartal sind bei auffälligem Verordnungsverhalten möglich. Eine lückenlose Dokumentation der medizinischen Indikation ist hier die wichtigste Schutzmaßnahme.

Im Haftungsbereich stehen Kataraktoperationen an erster Stelle: Rund 800.000 Grauer-Star-Operationen werden jährlich in Deutschland durchgeführt. Die Komplikationsrate liegt unter 1 Prozent, aber schon 0,5 Prozent ergeben 4.000 potenzielle Schadensfälle pro Jahr. Bei berechtigten Ansprüchen können Schadensersatz und Schmerzensgeld für dauerhafte Sehverschlechterung schnell 50.000 bis 150.000 Euro erreichen.

LASIK-Eingriffe bei Privatpatienten sind ebenfalls haftungsträchtig: Patienten haben hohe Erwartungen, und unerwünschte Ergebnisse führen häufig zu Klagen. Eine umfangreiche präoperative Dokumentation mit schriftlichem Aufklärungsprotokoll ist zwingend.

Worauf Augenärzte besonders achten sollten

Die Berufshaftpflichtversicherung für Augenärzte sollte operative Eingriffe explizit abdecken. Ärzteversichert prüft für Augenärzte, ob der Versicherungsschutz ausreichend hoch ist und ob operative Zusatzmodule notwendig sind.

Quellen und weiterführende Informationen

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