Die politische Debatte über investorengetragene Medizinische Versorgungszentren (iMVZ) polarisiert die Ärzteschaft. Für einzelne Ärzte ergeben sich jedoch handfeste Vorteile aus diesem Strukturwandel, wenn sie ihn strategisch nutzen.

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Angestellte Ärzte in iMVZ profitieren von geregelten Arbeitszeiten und attraktiven Gehältern ohne unternehmerisches Risiko
  • Praxisverkauf an ein iMVZ kann für ältere Niedergelassene eine lukrative Exit-Strategie sein
  • Ärzte, die eigene MVZ gründen, können von den Strukturmodellen der Investoren-Branche lernen

Ausführliche Antwort

Investorengetragene MVZ sind in Deutschland ein wachsendes Phänomen: Zwischen 2010 und 2024 hat sich die Zahl der MVZ von 1.100 auf über 4.500 vervielfacht, ein erheblicher Teil davon mit privaten Investoren oder Klinikträgern als Gesellschafter. Die politische Diskussion dreht sich um Qualitätssicherung und ärztliche Freiberuflichkeit, doch für einzelne Ärzte ergeben sich konkrete Handlungsoptionen.

Erstens: Als angestellter Arzt in einem iMVZ entfällt das unternehmerische Risiko. Gehälter von 8.000 bis 14.000 Euro brutto monatlich für Fachärzte sind in gut organisierten iMVZ keine Seltenheit, verbunden mit klaren Arbeitszeiten und keinerlei Investitionspflicht. Für jüngere Ärzte, die keine eigene Praxis gründen wollen, ist das attraktiv.

Zweitens: Für Praxisinhaber kurz vor dem Ruhestand kann der Verkauf der Praxis an ein iMVZ eine Exit-Strategie darstellen. iMVZ-Betreiber zahlen für gut etablierte Praxen in attraktiven Planungsbereichen teilweise Kaufpreise, die deutlich über dem klassischen Goodwill-Wert liegen, nämlich bis zu 1 bis 2 Jahresumsätze. Wichtig ist dabei eine genaue Prüfung des Kaufvertrags durch einen auf Arztrecht spezialisierten Anwalt.

Worauf Ärzte besonders achten sollten

Ärzteversichert empfiehlt Ärzten, die eine Anstellung in einem iMVZ erwägen, den Versicherungsschutz zu überprüfen: Berufshaftpflicht, BU und Krankenversicherung müssen auf das neue Beschäftigungsverhältnis abgestimmt sein. Der Träger eines iMVZ übernimmt die Arbeitgeberpflichten, aber nicht automatisch eine ergänzende Absicherung.

Quellen und weiterführende Informationen

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