In der Neurologie gehören Wartezeiten von vier bis acht Wochen für einen Ersttermin zum Alltag. Die Gründe liegen im bundesweiten Mangel an niedergelassenen Neurologen, dem komplexen Diagnosebedarf und den zeitaufwändigen Untersuchungsverfahren. Effizientes Terminmanagement kann die Situation spürbar verbessern und gleichzeitig die Arbeitszufriedenheit des Teams steigern.
Das Wichtigste auf einen Blick
- Dringende Fälle (Schlaganfall-Nachsorge, akute Epilepsie) müssen bevorzugt terminiert werden, idealerweise über ein eigenes Dringlichkeitsfenster
- Online-Terminbuchungssysteme reduzieren den administrativen Aufwand und ermöglichen Patienten eine direkte Buchung rund um die Uhr
- Gruppensprechstunden für Folgeuntersuchungen bei stabilen Erkrankungen (z. B. Parkinson, multiple Sklerose) können die Kapazität um 15 bis 20 Prozent erhöhen
Ausführliche Antwort
Neurologische Praxen stehen vor dem Dilemma, wenige Kassensitze bei hoher Nachfrage bewirtschaften zu müssen. Neben der Einführung von Online-Buchungssystemen (z. B. Doctolib, CGM QualiCare) ist eine Triagierung eingehender Anfragen entscheidend: Nicht alle Anfragen erfordern einen vollständigen Erstkontakt. Telefonische Vorabklärungen durch geschultes Praxispersonal können Dringlichkeit und Terminbedarf effizient einschätzen.
Für die Kapazitätssteuerung bietet sich die Einführung von Zeitblöcken an: kurze Kontrolltermine (10 Minuten) für gut eingestellte Patienten, längere Slots (30 bis 45 Minuten) für Erstkontakte oder komplexe Fälle. Digitale Patientenportale ermöglichen außerdem Vorabfragebogen, die die Erstanamnese verkürzen und die Termindauer reduzieren. Einige Neurologen setzen ergänzend auf Telemedizin-Sprechstunden für Verlaufskontrollen bei Patienten mit stabiler Diagnose.
Worauf Ärzte besonders achten sollten
Lange Wartezeiten erhöhen das Risiko von Patienten, die ihre Symptome ohne ärztliche Begleitung verschlimmern und dann mit einem Haftungsvorwurf zurückkommen. Ärzteversichert empfiehlt, die Berufshaftpflicht auf den Umfang der telemedizinischen Leistungen abzustimmen, da hier besondere Deckungsbedarfe entstehen können.
Quellen und weiterführende Informationen
- Kassenärztliche Bundesvereinigung – Terminservicestellen
- Bundesärztekammer – Telemedizin
- Ärzteversichert – Versicherungsmakler für Mediziner
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