Die Onkologie steht vor einem massiven Fachkräftemangel, der durch steigende Krebsinzidenz und eine alternde Ärzteschaft gleichzeitig verschärft wird. Laut Ärztestatistik der Bundesärztekammer waren 2024 bundesweit rund 4.200 Ärzte mit Schwerpunktbezeichnung Hämatologie und Onkologie tätig, während der Bedarf deutlich höher eingeschätzt wird.
Das Wichtigste auf einen Blick
- Die Zahl der Krebsneuerkrankungen steigt laut DKFZ bis 2030 auf über 600.000 pro Jahr, was den Versorgungsbedarf erhöht
- Die onkologische Weiterbildung dauert nach der Facharztausbildung Innere Medizin weitere 18 bis 36 Monate für den Schwerpunkt
- Ambulante Onkologie ist attraktiver geworden: KV-Praxen mit onkologischem Schwerpunkt erzielen Jahresumsätze von 800.000 bis über 2 Millionen Euro
Ausführliche Antwort
Die Nachfrage nach onkologischen Leistungen wächst stetig, weil die Bevölkerung altert und neue Therapiemethoden wie Immunonkologie und CAR-T-Zelltherapien die Überlebenschancen verbessern, gleichzeitig aber sehr betreuungsintensiv sind. An zertifizierten onkologischen Zentren (nach DKG) fehlen besonders Fachärzte für die ambulante Nachsorge und die interdisziplinäre Tumorkonferenz, die täglich mehrere Stunden in Anspruch nimmt.
In der ambulanten onkologischen Versorgung sind niedergelassene Hämatoologen und Onkologen attraktiv positioniert: Viele Chemotherapien werden heute ambulant verabreicht, was über die spezielle onkologische Versorgungsstruktur (§ 116b SGB V) vergütet wird. Die Vergütung für hochspezialisierte Leistungen nach § 116b ist extrabudgetär und damit von RLV-Beschränkungen ausgenommen. Das macht niedergelassene Onkologiepraxen wirtschaftlich stabil.
Der Fachkräftemangel betrifft nicht nur Ärzte, sondern auch onkologisch ausgebildetes Pflegepersonal und MFAs für die Chemotherapievorbereitung. Praxen mit guter Teamkultur und flexiblen Arbeitszeitmodellen haben einen strukturellen Wettbewerbsvorteil bei der Mitarbeitergewinnung. Zunehmend werden auch internationale Ärzte aus dem EU-Ausland in der Onkologie eingesetzt, was Sprachbarrieren und Anerkennungsverfahren mit einschließt.
Worauf Ärzte besonders achten sollten
Onkologen in der Niederlassung oder im Klinikkontext sollten ihren Berufshaftpflichtschutz regelmäßig auf den Einschluss neuerer Therapieverfahren prüfen, da Immuntherapeutika und zielgerichtete Therapien besondere Haftungsszenarien erzeugen. Ärzteversichert berät bei der Anpassung bestehender Berufshaftpflichtverträge an das tatsächliche Leistungsspektrum.
Quellen und weiterführende Informationen
- Bundesärztekammer – Ärztestatistik
- Kassenärztliche Bundesvereinigung – § 116b ambulante spezialfachärztliche Versorgung
- Ärzteversichert – Versicherungsmakler für Mediziner
Persönliche Beratung zu diesem Thema?
Kostenfreie Erstberatung anfragen →