Die neue GOÄ (GOÄ 2.0) wird die privatärztliche Abrechnung für Orthopäden grundlegend verändern: Viele Leistungen werden neu bewertet, veraltete Positionen gestrichen und neue Technologien wie Ultraschall-gestützte Injektionen oder minimalinvasive Eingriffe abgebildet. Für die meisten orthopädischen Praxen wird die Reform per Saldo zu höheren Privateinnahmen führen, da die Bewertungen im Schnitt angehoben wurden.
Das Wichtigste auf einen Blick
- Die neue GOÄ ersetzt die GOÄ von 1996 und bringt erstmals eine digitale Struktur mit regelmäßiger Aktualisierung
- Orthopädische Kernleistungen wie Gelenkinjektionen, Arthroskopie-Vor- und Nachbehandlung und manuelle Therapie werden neu bewertet
- Die Bundesärztekammer und PKV-Verband haben die neue GOÄ gemeinsam entwickelt; ein genauer Einführungstermin steht noch aus
Ausführliche Antwort
Die GOÄ 2.0 bringt für orthopädische Praxen strukturelle Verbesserungen: Der veraltete Leistungskatalog der GOÄ 1996 enthält keine adäquaten Ziffern für moderne bildgebende Verfahren (z. B. Kontrastmittelsonographie von Gelenken), minimalinvasive Eingriffe (Radiofrequenzablation an Facettengelenken) oder digitale Diagnostikwege. Die neue GOÄ wird diese Lücken schließen und damit Leistungen, die orthopädische Praxen bisher analogisieren mussten, direkt abrechenbar machen.
Konkret werden Leistungen der konservativen Orthopädie wie Infiltrationsbehandlungen, Stoßwellentherapie und manuelle Untersuchungen aufgewertet. Besonders profitieren sollen operativ tätige Orthopäden: Ambulante Operationen nach GOÄ sollen attraktiver werden, was die Konkurrenzfähigkeit mit dem stationären Sektor stärkt. Für Privatpatienten und Beihilfeempfänger bedeutet dies möglicherweise höhere Rechnungsbeträge, was die Kommunikation mit Patienten erfordert.
Für die Praxisorganisation ist die Umstellung auf die neue GOÄ mit Softwareanpassungen verbunden: Praxisverwaltungssysteme müssen die neuen Ziffernkataloge integrieren, und Abrechnungsmitarbeiter benötigen Schulungen. Fachgesellschaften wie die Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie (DGOU) bieten Informationsveranstaltungen zur neuen GOÄ an. Orthopäden sollten sich frühzeitig damit beschäftigen, welche Leistungen sich für ihre Praxis besonders verändern.
Worauf Ärzte besonders achten sollten
Mit der GOÄ-Reform ändern sich auch die Grundlagen für die Berufshaftpflicht-Kalkulation: Höhere Liquidationen bedeuten potenziell höhere Schadenssummen bei Behandlungsfehlern. Ärzteversichert empfiehlt orthopädischen Praxisinhabern, nach Inkrafttreten der neuen GOÄ die Versicherungssummen ihrer Berufshaftpflicht auf Angemessenheit zu prüfen.
Quellen und weiterführende Informationen
- Bundesärztekammer – GOÄ-Reform aktuell
- PKV-Verband – Neue GOÄ und Privatpatienten
- Ärzteversichert – Versicherungsmakler für Mediziner
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