Die Liquiditätsplanung ist für Arztpraxen existenziell, weil KV-Honorare mit bis zu 8 Wochen Verzögerung eingehen und Ausgaben wie Gehälter und Miete pünktlich fällig sind. Ein strukturierter Cashflow-Plan verhindert finanzielle Engpässe.
Das Wichtigste auf einen Blick
- KV-Abschläge werden quartalsweise ausgezahlt, die endgültige Abrechnung folgt oft 6 bis 8 Wochen nach Quartalsende.
- Ein Liquiditätspuffer von mindestens 2 Monatsumsätzen schützt vor Zahlungsengpässen bei saisonalen Schwankungen.
- Kontokorrentkredite speziell für Arztpraxen bieten Banken wie Deutsche Apotheker- und Ärztebank (apoBank) zu günstigen Konditionen an.
Ausführliche Antwort
Die Liquiditätsplanung beginnt mit einer vollständigen Ausgabenliste: Praxismiete, Personalkosten (typischerweise 30 bis 40 Prozent des Umsatzes), Geräteleasing, Versicherungen, Materialkosten und Steuervorauszahlungen. Diese fixen und variablen Kosten werden den erwarteten Einnahmen aus KV-Honorar, Privatpatienten und IGeL-Leistungen gegenübergestellt.
Besonders kritisch sind die Quartalsübergänge: Im Januar, April, Juli und Oktober gehen die KV-Abschläge für das neue Quartal ein, während die endgültige Abrechnung des Vorquartals erst später folgt. Praxen mit hohen Fixkosten geraten in diesen Wochen schnell unter Druck. Eine monatliche Liqui-Vorschau für die nächsten 3 Monate hilft, Engpässe frühzeitig zu erkennen.
Die apoBank und PSD Bank bieten ärztespezifische Kontokorrentkredite mit einem Rahmen von 50.000 bis 250.000 Euro an. Die Zinsen liegen aktuell bei 4 bis 6 Prozent pro Jahr, sind aber nur für kurzfristige Überbrückungen gedacht. Strukturelle Liquiditätsprobleme sollten durch eine Optimierung des Abrechnungsmanagements gelöst werden.
Worauf Ärzte besonders achten sollten
Ärzteversichert empfiehlt, Betriebsunterbrechungsversicherung und Krankentagegeld als Liquiditätssicherung zu betrachten: Fällt der Praxisinhaber durch Krankheit aus, laufen die Fixkosten weiter. Eine Praxisausfallversicherung kann bis zu 12 Monate lang die laufenden Kosten ersetzen und so den Liquiditätspuffer schonen.
Quellen und weiterführende Informationen
- Kassenärztliche Bundesvereinigung – Honorar und Abrechnung
- Bundesfinanzministerium – Einkommensteuer-Vorauszahlungen
- GDV – Betriebsunterbrechungsversicherung
- Ärzteversichert – Versicherungsmakler für Mediziner
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