Das AWMF-Register ist die offizielle Datenbank der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF), in der alle deutschen medizinischen Leitlinien gesammelt, klassifiziert und veröffentlicht werden. Es umfasst mehrere hundert Leitlinien verschiedener Klassen (S1 bis S3) aus allen medizinischen Fachgebieten.

Bedeutung für Ärzte

Das AWMF-Register ist für Ärzte unverzichtbares Nachschlagewerk: S3-Leitlinien (höchste Evidenzstufe, systematisch entwickelt und konsentiert) geben den aktuellen Stand der medizinischen Wissenschaft wieder und werden in Arzthaftungsprozessen als Maßstab für die sorgfaltsgemäße Behandlung herangezogen. Wer von einer S3-Leitlinie abweicht, muss dies in der Patientenakte begründen können. Leitlinien werden regelmäßig überarbeitet; Ärzte sollten die Aktualität der genutzten Leitlinien prüfen und auf veraltete Quellen verzichten.

Abgrenzung

Das AWMF-Register enthält keine Richtlinien (verbindliche Vorschriften) oder Empfehlungen von Behörden; Leitlinien sind Handlungsempfehlungen ohne Rechtsverbindlichkeit, die jedoch hohe praktische Bindungskraft haben. Außerdem ist das AWMF-Register von nationalen oder internationalen Konsensus-Dokumenten anderer Gremien (z.B. ESC-Leitlinien der European Society of Cardiology) zu unterscheiden, die separat veröffentlicht werden.

Beispiel

Eine Kardiologin möchte ihre Praxisabläufe für die Herzinsuffizienzversorgung aktualisieren. Sie ruft im AWMF-Register die aktuelle S3-Leitlinie „Herzinsuffizienz" auf und prüft, ob ihre Diagnose- und Therapieprotokolle dem aktuellen Stand entsprechen. Für eine Haftpflichtprüfung kann sie dokumentieren, dass sie leitliniengerecht gehandelt hat. Ärzteversichert weist auf den Zusammenhang zwischen Leitlinientreue und Berufshaftpflichtschutz hin.

Quellen

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