Biografiearbeit in der Pflege bezeichnet die gezielte Erhebung und Nutzung der individuellen Lebensgeschichte eines pflegebedürftigen Menschen, um die Pflege, Betreuung und Alltagsgestaltung an seinen persönlichen Gewohnheiten, Vorlieben und Ressourcen auszurichten. Sie ist ein anerkanntes Instrument der personenzentrierten Pflege und spielt insbesondere in der Versorgung von Menschen mit Demenz eine zentrale Rolle.
Bedeutung für Ärzte
Als behandelnder Arzt können Niedergelassene die Weichen für eine qualitativ hochwertige Biografiearbeit stellen, indem sie frühzeitig Angehörige in die Beobachtung einbeziehen und pflegerelevante Informationen wie Allergien, Medikamentengewohnheiten und Lebensrhythmus dokumentieren. In der Begutachtung durch den Medizinischen Dienst (MD) für die Pflegegradermittlung nach § 14 SGB XI fließen Aspekte der individuellen Alltagsgestaltung und Selbstständigkeit in das Neue Begutachtungsassessment (NBA) ein. Pflegeheime sind nach § 11 SGB XI zu einer individuellen Pflegeplanung verpflichtet, zu der die Biografie als Grundlage dient.
Abgrenzung
Biografiearbeit ist von der Pflegeplanung im engeren Sinne zu unterscheiden: Die Pflegeplanung formuliert konkrete Pflegeziele und Maßnahmen, während die Biografiearbeit die individuellen Hintergrundinformationen liefert, die diese Planung personenzentriert macht. Auch die psychotherapeutische Lebensrückschau, die in der Alterspsychiatrie eingesetzt wird, verfolgt therapeutische Ziele, die über die pflegerische Nutzung der Biografie hinausgehen.
Beispiel
Ein 85-jähriger Patient mit mittelschwerer Demenz wird in einem Pflegeheim versorgt. Dank der zuvor erstellten Biografiedaten wissen die Pflegenden, dass er sein Leben lang Bäcker war und früh aufzustehen gewohnt ist. Die Pflegeplanung sieht deshalb frühzeitige Aktivierungen vor, was Unruhezustände deutlich reduziert. Ärzteversichert empfiehlt Ärzten, ihren demenzbetroffenen Patienten frühzeitig Informationen über pflegerechtliche Instrumente wie die Biografiearbeit zu vermitteln.
Quellen
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