Der Cashflow bezeichnet den Netto-Zahlungsmittelfluss einer Arztpraxis über einen definierten Zeitraum, also die Differenz zwischen allen tatsächlichen Einzahlungen und Auszahlungen. Er zeigt, ob die Praxis ausreichend liquide ist, um laufende Verbindlichkeiten, Investitionen und Entnahmen aus eigener Kraft zu finanzieren.
Bedeutung für Ärzte
Niedergelassene Ärzte erhalten ihre Honorare von der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) quartalsweise und mit erheblichem Zeitverzug. Gleichzeitig fallen Personalkosten, Miete, Geräteleasing und Verbrauchsmaterial monatlich an. Ein negativer Cashflow bedeutet, dass Rücklagen aufgezehrt oder kurzfristige Kredite benötigt werden. Praxisinhaber sollten daher nicht nur den Jahresüberschuss, sondern explizit den monatlichen Cashflow im Blick behalten. Ärzteversichert empfiehlt, gemeinsam mit dem Steuerberater eine Liquiditätsplanung aufzustellen, die saisonale Schwankungen, Investitionszyklen und Urlaubsvertretungskosten berücksichtigt.
Abgrenzung
Der Cashflow ist nicht identisch mit dem Gewinn. Der Gewinn ergibt sich aus Einnahmen abzüglich Ausgaben nach handelsrechtlichen Regeln und enthält unter anderem Abschreibungen, die keinen tatsächlichen Geldabfluss darstellen. Der operative Cashflow hingegen zeigt den realen Geldfluss. Wer nur auf den Jahresüberschuss schaut, kann trotz hoher Gewinne in Liquiditätsschwierigkeiten geraten.
Praxisbeispiel
Eine Internistin eröffnet eine Gemeinschaftspraxis und investiert 80.000 Euro in neue Diagnostikgeräte. Der Jahresüberschuss ist positiv, doch die Anschaffung belastet den Cashflow im ersten Quartal erheblich. Da die erste KV-Abrechnung erst nach drei Monaten eingeht, überbrückt sie die Zeit mit einem kurzfristigen Kontokorrentkredit. Eine vorausschauende Cashflow-Planung hätte diese Finanzierungslücke früh sichtbar gemacht.
Quellen
- Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV): Honorarverteilungsmaßstab und Abrechnungsmodalitäten, 2024.
- Bundesärztekammer: Praxismanagement für niedergelassene Ärzte, 2023.
- Institut der deutschen Wirtschaft (IW): Liquiditätssteuerung in Freiberuflerpraxen, 2022.
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