Der Charlson-Index (auch: Charlson Comorbidity Index, CCI) ist ein validiertes klinisches Instrument zur Quantifizierung der Gesamtbelastung durch Komorbiditäten eines Patienten. Er wurde 1987 von Mary Charlson entwickelt und gewichtet 17 definierte Erkrankungen (darunter Herzinsuffizienz, Diabetes, Niereninsuffizienz, Tumorerkrankungen) mit Punktwerten von 1 bis 6 je nach Schwere. Ein höherer Gesamtwert korreliert mit höherer Zehn-Jahres-Mortalität: Bei einem CCI von 0 liegt die Zehnjahressterblichkeit bei ca. 12 Prozent, bei einem CCI von 5 oder mehr bei über 85 Prozent.

Bedeutung für Ärzte

Klinisch dient der Charlson-Index zur präoperativen Risikoeinschätzung, zur Planung intensivmedizinischer Ressourcen und als Stratifizierungsinstrument in klinischen Studien. In der DRG-basierten Krankenhausvergütung spielen Komorbiditäten über Nebendiagnosen eine wichtige Rolle; eine vollständige Erfassung von Begleiterkrankungen nach dem Charlson-Schema kann die korrekte DRG-Kodierung und damit eine angemessene Vergütung sichern. Für niedergelassene Ärzte ist der Index relevant bei der Einweisungsdokumentation: Je präziser Komorbiditäten beschrieben sind, desto besser kann die Klinik einen korrekten CMI ableiten.

Abgrenzung

Der Charlson-Index ist vom ASA-Score (Anästhesiologischer Risikoklassifikation) zu unterscheiden, der das perioperative Anästhesierisiko bewertet, und vom Barthel-Index, der die Alltagsfunktionalität pflegebedürftiger Personen misst. Alle drei Scores dienen der Risikoeinschätzung, sind aber für unterschiedliche klinische Kontexte konzipiert.

Beispiel

Ein 70-jähriger Patient soll elektiv an der Hüfte operiert werden. Der Charlson-Index berechnet sich aus: Diabetes mellitus (1 Punkt), Herzinsuffizienz (1 Punkt) und Alter (70 = 2 Punkte) zu einem Gesamtpunkt von 4. Der Anästhesist berücksichtigt diesen Wert bei der präoperativen Risikoaufklärung. Ärzteversichert weist darauf hin, dass Krankenhausärzte Komorbiditäten stets vollständig dokumentieren sollten.

Quellen

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