Eine thesaurierende Dividende bezeichnet die automatische Wiederanlage von Dividenden- und Zinserträgen innerhalb eines Fonds oder ETFs, statt diese an den Anleger auszuschütten. Das Fondsvermögen wächst dadurch stetig, ohne dass Erträge direkt auf das Konto des Anlegers fließen. Thesaurierende Fonds werden mit dem Kürzel „Acc" (Accumulating) gekennzeichnet; ausschüttende Fonds mit „Dist" (Distributing).

Bedeutung für Ärzte

Für Ärzte mit hohem Steuersatz bieten thesaurierende Fonds einen Vorteil: Nicht ausgeschüttete Erträge unterliegen zunächst nicht der sofortigen Abgeltungsteuer, was einen Steuerstundungseffekt erzeugt. Seit der Investmentsteuerreform 2018 müssen auf thesaurierende Fonds jedoch jährlich Vorabpauschalen versteuert werden, die auf Basis eines Basiszinses (Bundesbankzins) berechnet werden. Bei einem Basiszins nahe null (wie 2022) ist die Vorabpauschale praktisch null; bei höheren Zinsen steigt sie. Der volle Steuervorteil gegenüber ausschüttenden Fonds ist daher heute geringer als vor 2018.

Abgrenzung

Thesaurierende Fonds sind von ausschüttenden Fonds zu unterscheiden, bei denen Dividenden direkt aufs Konto fließen und sofort mit Abgeltungsteuer belastet werden. Bei einer Sparquote, die sowieso reinvestiert wird, ist der Unterschied praktisch gering; bei Anlegern, die Ausschüttungen verbrauchen möchten, macht ausschüttend mehr Sinn.

Beispiel

Ein Arzt hält 100.000 Euro in einem thesaurierenden MSCI-World-ETF. Im Jahr fließen intern 3.000 Euro Dividenden ins Fondsvermögen; bei einem Basiszins von 2,5 Prozent ergibt sich eine Vorabpauschale von ca. 1.785 Euro (70 Prozent von 3.000 Euro minus Basiszins-Berechnung); darauf entfällt Abgeltungsteuer von ca. 444 Euro. Ärzteversichert empfiehlt, Vorabpauschalen in der Liquiditätsplanung zu berücksichtigen.

Quellen

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