Das ESG-Rating ist eine Bewertungskennzahl, die Ratingagenturen für Unternehmen, Fonds oder Anleihen auf Basis von Umwelt- (Environmental), Sozial- (Social) und Unternehmensführungsdaten (Governance) erstellen, um Investoren die Einschätzung von Nachhaltigkeitsrisiken und -chancen zu erleichtern. Je nach Anbieter werden Buchstaben-, Zahlen- oder Prozentwertskalen verwendet.
Bedeutung für Ärzte
Ärzte, die ihr Depot oder ihre Altersvorsorge nach Nachhaltigkeitsgesichtspunkten ausrichten möchten, nutzen ESG-Ratings als Orientierung. Die bekanntesten Ratingagenturen sind MSCI ESG Research, Sustainalytics und ISS ESG. Wichtig zu wissen: Dieselbe Aktie oder denselben Fonds bewerten verschiedene Agenturen oft sehr unterschiedlich, da die Gewichtung der Kriterien variiert. Eine Untersuchung von MIT-Forschern (2022) zeigte, dass die Korrelation zwischen verschiedenen ESG-Ratings bei nur 0,6 liegt, was eine kritische Nutzung empfiehlt. Ärzteversichert empfiehlt, bei der Produktwahl auf unabhängige Quellen und mehrere Ratings zu setzen, statt einem einzigen Anbieter zu vertrauen.
Abgrenzung
Das ESG-Rating eines einzelnen Unternehmens ist zu unterscheiden vom Fondsrating: Ein Fonds erhält sein ESG-Rating als gewichteten Durchschnitt der enthaltenen Unternehmen. Auch vom Kreditrating, das die Ausfallwahrscheinlichkeit einer Anleihe bewertet, unterscheidet es sich grundlegend. Im regulatorischen Kontext ist die SFDR-Klassifizierung (Artikel 6, 8, 9) in der EU verbindlich und unabhängig von privatem ESG-Rating.
Beispiel
Eine Gynäkologin möchte 50.000 Euro nachhaltig investieren. Sie vergleicht den MSCI World ESG Leaders ETF (AA-Rating bei MSCI) mit einem konventionellen MSCI World ETF. Das ESG-Rating gibt ihr einen Überblick, welche Branchen und Unternehmen ausgeschlossen oder untergewichtet sind.
Quellen
- BaFin – Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht
- Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV)
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