Fachkräftemangel bei Ärzten bezeichnet ein strukturelles Defizit zwischen der Anzahl verfügbarer approbiierter Ärzte und dem tatsächlichen Versorgungsbedarf in bestimmten Regionen, Fachrichtungen oder Versorgungsebenen, das zur Unterversorgung von Patienten führt oder zu führen droht.

Bedeutung für Ärzte

Der Ärztemangel betrifft vor allem den ländlichen Raum und die hausärztliche Versorgung. Viele Praxen in strukturschwachen Gebieten finden keine Nachfolger; gleichzeitig scheiden in den nächsten Jahren große Teile der Babyboomer-Ärztegeneration aus dem Beruf aus. Für niedergelassene Ärzte eröffnet dies Chancen beim Praxisverkauf, da die Nachfrage nach Kassensitzen in unterversorgten Gebieten steigt und staatliche Förderprogramme (z. B. Strukturfonds der KVen) attraktive Anreize bieten. Ärzteversichert weist darauf hin, dass Praxisverkäufer in Mangelregionen höhere Kaufpreise erzielen können und die Absicherung der eigenen Arbeitskraft bis zur Übergabe umso wichtiger ist.

Abgrenzung

Fachkräftemangel ist zu unterscheiden von einem regionalen Überangebot, das in Ballungsräumen bestimmter Fachrichtungen gleichzeitig existieren kann. Die KVen führen Bedarfsplanungen durch, die anhand von Verhältniszahlen (Arzt je Einwohner) regeln, ob eine Region als unter-, über- oder regelversorgt gilt.

Praxisbeispiel

In einem Landkreis in Sachsen-Anhalt praktiziert nur noch ein Hausarzt für 3.000 Einwohner. Die KV erklärt die Region zur unterversorgten Zone und schreibt einen Sonderkassensitz mit Fördermittel von bis zu 60.000 Euro aus dem Strukturfonds aus, um einen Nachfolger anzuziehen.

Quellen

  • Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV): Bedarfsplanung 2024.
  • Bundesärztekammer: Ärztestatistik 2024.
  • Bundesministerium für Gesundheit: Landärzteprogramm, 2023.

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