Ein Family Office ist eine professionelle Dienstleistungseinrichtung, die für sehr wohlhabende Familien oder Einzelpersonen die ganzheitliche Verwaltung ihres Vermögens übernimmt. Dazu gehören Kapitalanlage, Steueroptimierung, Nachlassplanung, Versicherungsmanagement und teils auch persönliche Finanzplanung.
Bedeutung für Ärzte
Für Ärzte mit erheblichem Vermögen, etwa erfolgreiche Praxisverkäufer oder Medizinunternehmer, kann ein Family Office ab einem liquiden Vermögen von etwa 5 bis 10 Millionen Euro wirtschaftlich sinnvoll werden. Ein Single Family Office (SFO) wird exklusiv für eine Familie betrieben und erfordert typischerweise Vermögen ab 50 bis 100 Millionen Euro. Multi Family Offices (MFO) bedienen mehrere Familien und sind ab 3 bis 5 Millionen Euro zugänglich. Die jährliche Dienstleistungsgebühr liegt in der Regel bei 0,5 bis 1 Prozent des verwalteten Vermögens. Ärzteversichert unterstützt bei der Auswahl und Beurteilung von Family-Office-Dienstleistern und koordiniert die Schnittstellen zu Versicherungslösungen.
Abgrenzung
Ein Family Office ist von einem Vermögensverwalter im klassischen Sinne zu unterscheiden: Vermögensverwalter fokussieren auf Kapitalanlage, während das Family Office deutlich breiter aufgestellt ist und alle Lebensbereiche der Vermögenssteuerung umfasst. Auch von einer Privatbank oder einem Finanzberater unterscheidet es sich: Das Family Office arbeitet im Gegensatz zur Privatbank ohne eigene Produktinteressen, wenn es als unabhängiges MFO aufgestellt ist.
Beispiel
Ein Neurochirurg verkauft seine zwei Praxen mit einem Gesamterlös von 8 Millionen Euro. Er beauftragt ein Multi Family Office mit der Anlage und Verwaltung des Erlöses. Das MFO koordiniert Steuerberater, Rechtsanwalt und Vermögensverwalter und berichtet vierteljährlich über das Portfolio.
Quellen
- BaFin – Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht
- Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV)
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