Forderungsmanagement bezeichnet alle Prozesse und Maßnahmen, mit denen eine Arztpraxis sicherstellt, dass erbrachte Leistungen vollständig und zeitnah vergütet werden. Dazu gehören die zeitgerechte Rechnungsstellung, das Mahnwesen bei Zahlungsverzug sowie die Einleitung rechtlicher Schritte bei hartnäckigen Schuldnern.
Bedeutung für Ärzte
Für niedergelassene Ärzte mit Privatpatientenanteil ist professionelles Forderungsmanagement direkt liquiditätsrelevant: Laut Untersuchungen im Gesundheitswesen beträgt die durchschnittliche Zahlungsverzögerung bei GOÄ-Rechnungen 45 bis 60 Tage. Bei einem Jahresumsatz von 200.000 Euro aus Privatleistungen liegen damit dauerhaft 25.000 bis 35.000 Euro als offene Posten auf. Effektives Forderungsmanagement umfasst: Rechnungsstellung innerhalb von 14 Tagen nach Behandlung, erste Mahnung nach 30 Tagen, zweite Mahnung nach 45 Tagen und Übergabe an Factoringunternehmen oder Anwalt nach 60 Tagen. Ärzteversichert empfiehlt, Forderungsmanagement als Bestandteil des Praxiscontrollings zu integrieren.
Abgrenzung
Forderungsmanagement ist zu unterscheiden von Factoring: Beim Factoring werden Forderungen verkauft, beim Forderungsmanagement werden sie selbst verwaltet und eingetrieben. Inkasso durch Dritte ist ein Teilaspekt des Forderungsmanagements, während das Forderungsmanagement die gesamte Prozesskette vom Rechnungsausgang bis zur Zahlung oder Abschreibung umfasst.
Beispiel
Eine Gynäkologin stellt eine GOÄ-Rechnung über 350 Euro an einen Privatpatienten. Nach 30 Tagen hat er nicht gezahlt. Sie sendet eine erste Mahnung mit 14-Tage-Frist. Nach weiteren 14 Tagen erfolgt die zweite Mahnung mit Ankündigung des Mahnbescheids. Schließlich beantragt sie über das Amtsgericht einen gerichtlichen Mahnbescheid.
Quellen
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