Der Frailty Score ist ein klinisches Messinstrument, das den Grad der körperlichen und funktionellen Gebrechlichkeit (Frailty) eines älteren Patienten quantifiziert, um das Risiko für unerwünschte Behandlungsergebnisse, Komplikationen, Hospitalisierung oder Tod zu stratifizieren. Frailty bezeichnet einen Zustand erhöhter Vulnerabilität gegenüber Stressoren wie Operationen oder Infektionen.

Bedeutung für Ärzte

In der Geriatrie, der Anästhesie und der Chirurgie ist der Frailty Score ein wichtiges Entscheidungshilfsmittel. Gängige Skalen sind das Clinical Frailty Scale (CFS, 1 bis 9 Punkte nach Rockwood) und das Fried-Frailty-Phänotyp-Modell (5 Kriterien). Ein CFS-Wert von 5 oder höher gilt als relevant für erhöhte perioperative Mortalität: Studien zeigen, dass gebrechliche Patienten (CFS ≥ 5) eine doppelt so hohe 30-Tage-Mortalität nach elektiven Operationen haben wie robuste Patienten. Für Chirurgen und Anästhesisten ist der Frailty Score zunehmend Teil der präoperativen Risikoaufklärung. Ärzteversichert weist darauf hin, dass unzureichende Risikoaufklärung bei gebrechlichen Patienten Haftungsrisiken begründen kann.

Abgrenzung

Der Frailty Score misst funktionelle Gebrechlichkeit und ist zu unterscheiden vom Komorbiditätsindex (z.B. Charlson Comorbidity Index), der die Last chronischer Erkrankungen bewertet, aber nicht die funktionelle Reserve. Frailty kann bei multimorbiden Patienten vorhanden sein, muss es aber nicht: Ein Patient mit Diabetes und Hypertonie kann gleichzeitig robust sein. Beide Scores ergänzen sich in der perioperativen Risikobeurteilung.

Beispiel

Ein 82-jähriger Patient soll elektiv eine Hüftprothese erhalten. Die Anästhesistin erhebt einen CFS-Wert von 6 (moderat gebrechlich). Sie informiert den Patienten und seinen Chirurgen über das erhöhte perioperative Risiko und dokumentiert die Risikoaufklärung sorgfältig in der Patientenakte.

Quellen

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